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Parasiten - nichts als Parasiten!

Einführende Bemerkungen zu einer Parasitologie der Sozialarbeit

Die Sozialarbeit ist im schlechtesten wie im besten Sinne des Wortes ein parasitäres Unternehmen. SozialarbeiterInnen sind Parasiten. Was aber heißt 'parasitär', und was tun 'Parasiten'?

Zunächst sind uns Pflanzen und Tiere als Parasiten bekannt, die auf Kosten eines Wirts, bei dem sie sich einnisten, leben. Sie töten ihren Wirt zwar nicht unmittelbar, doch sie schädigen und kränken ihn durch Nahrungsentzug oder Verschmutzung. Biologen sprechen vom Parasitären als eine Form der Antibiose (nicht: Symbiose), von einem im biologischen Sinne 'sozialen Verhältnis', in dem durch die Wechselbeziehung der Angehörigen zweier (Pflanzen- oder Tier-) Arten der eine Partner, der Wirt, zugunsten des anderen, des Parasiten, ausgenutzt wird. Es reicht die Skala der als Parasiten bezeichneten Wesen von Pflanzen über Mollusken, Insekten bis hin zu Wirbeltieren. Neben dieser biologisch-naturwissenschaftlichen Bezeichnung, die auch in der Medizin ihre Bedeutung hat, wird der Begriff Parasit zudem als eine soziale Schimpf- und politische Kampfvokabel verwendet. Wenn auch Menschen als Parasiten bezeichnet werden, verliert der Begriff seine Neutralität und sein Sinngehalt wird in spezifischer Weise verengt. Es soll dann nur noch ausgedrückt werden, daß es da welche gibt, die sich uneingeladen oder als Gast eines Gastes an dem Reichtum eines Fremden schadlos halten. Man nennt sie Nassauer oder Schmarotzer, die sich an fremden Tafeln entschädigungslos den Bauch vollschlagen und die Gastfreundschaft des Gastgebers mißbrauchen. In dieser einseitig negativen Bedeutung wird der Begriff laut Brockhaus seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. verwendet und diese lange Tradition lebt bis in die heutige Zeit fort. Menschliche Parasiten, so lautet der Grundgedanke, 'bescheißen' andere, sie schädigen ihre Umwelt, entziehen ihrem Wirt etwas, ohne dafür zu zahlen, außer mit dem Dreck und dem Schmutz, den sie hinterlassen. Auf diese Weise wirken Parasiten in einem (im soziologischen Sinne) 'sozialen Verhältnis' asozial, das meint, sie provozieren, indem sie eine zwischenmenschliche Beziehung mißbrauchen, weil sie von einer gewünschten, als ‘anständig’ und ‘tüchtig’ angesehenen Form des Umgangs mit anderen abweichen. Parasiten sind Abweichler, die von den Vertretern einer sozialen Ordnung als solche etikettiert, stigmatisiert und mithin verfolgt werden.

Weniger den Sozialarbeiterlnnen, wohl aber einem nicht geringen Teil ihrer Klientel wird immer noch und immer wieder in diffamierender und diskriminierender Absicht von einem nicht geringen Teil der Allgemeinheit vorgehalten, es handele sich hier um 'arbeitsscheues Gesindel', um 'faules Pack', es seien 'Drückeberger', die sich nur auf Kosten anderer am leben halten. Man beschimpft sie in mehrfachem Sinne als ‘asozial’, nicht nur, weil sie angeblich am Reichtum derer schmarotzen, die durch 'fleißige', 'aufrechte’ und ‘ehrliche’ Arbeit den Wohlstand erwirtschaften, sondern auch, weil man argwöhnt, daß sie durch ihr ‘schlechtes Beispiel' die 'Anständigen' verderben könnten und die 'wirklich Bedürftigen' in ein schlechtes Licht geraten lassen. Sozialarbeiterlnnen führen einen ständigen Kampf gegen solche Verhetzungen ihrer Klienten.

Der Begriff Parasit soll hier nicht einfach als Schimpf- und Kampfvokabel verwendet werden. Er soll nicht dazu dienen, zu diffamieren und zu verhetzen. Er soll vielmehr irritieren, er soll eingefahrene Sichtweisen stören, und das beginnt damit, daß wir das Etikett - anders als gewöhnlich - plazieren, daß wir es nicht ans Klientel, sondern an die HelferInnen heften. Das endet damit, daß wir uns einen neuen Begriff des Parasiten erarbeiten (Serres 1984), der seine eindeutig negativen Konnotationen verliert, der die allgemeine Notwendigkeit und Unvermeidbarkeit, sowie die konstruktive Brauchbarkeit der Parasiten hervorhebt. Wir werden die Doppeldeutigkeit und Zweiwertigkeit des Parasiten zu betonen haben. Es geht uns um eine besondere Art der Beschreibung sozialer Verhältnisse, es geht um eine veränderte Sichtweise in der Sozialarbeit, die die eigene Position im gesellschaftlichen Gefüge besser (ehrlicher?) als bisher reflektieren läßt.

Also noch einmal: Sozialarbeiterlnnen sind Parasiten. Sie sind Parasiten an der Gesellschaft, denn sie leben von den 'System-Abfällen'. Sie schmarotzen an einem System, das permanent damit beschäftigt ist, die 'Überflüssigen' und 'Unbrauchbaren' von den ‘Wertvollen’ und ‘Nützlichen’ zu trennen und erstere auszusondern, auszugrenzen, 'ab-fallen' zu lassen. Der Sozialarbeit fällt die Aufgabe zu, sich um den 'Rand' dieses Systems zu kümmern, an den sich die Verlierer, die Armen und Schwachen, die Kranken und Gebrechlichen, die Hilflosen und Ohnmächtigen, die Noch-nicht- und die Nicht-mehr-Mitspieler dieses Systems, kurz: die Opfer des Sortierverfahrens, abgeschoben finden. Sozialarbeit wie Sozialpädagogik sind angesetzt auf die Erstellung und den Schutz gesellschaftlicher Normalitätsstandards, beide richten Menschen auf die unwahrscheinlichen Anforderungen der Gesellschaft ab, sie beteiligen sich an der Erziehung derer, die noch nicht wissen können, wo es lang geht, sowie derer, die es besser wissen müßten, was von ihnen verlangt wird. Sie produzieren 'anständige Mitmenschen'. Die sozialen Dienste stellen Re-Sozialisierungs- und Re-Normalisierungstätigkeiten dar und sind damit immer auch als 'Abfallbearbeitung' oder - wie man heute beschönigend sagen würde - als 'Entsorgungsarbeit' zu begreifen. (Wessen Sorgen werden hier eigentlich entsorgt?) Nach offiziellem Selbstverständnis geht es der Sozialarbeit darum, ihre Probanden an die Normen und Werte der Gesamtgesellschaft anzupassen, Abgefallene, an den Rand Gerutschte oder Gedrängte, wieder auf die 'Mitte’ hin auszurichten. Schließlich will sie sich selbst - zwar nicht generell, wohl aber in Einzelfällen - überflüssig machen.

Sozialarbeiterlnnen sind und bleiben ‘Müllfrauen’ bzw. '-männer’ der Gesellschaft, die ihre Existenz letztendlich nur in der Abfallproduktion und -verwaltung gesichert finden. Sie sind in ihrer materiellen wie ideologischen Existenz davon abhängig, daß es in dieser Gesellschaft ‘Ab-Fälle’ gibt. Ohne sie würden sie leicht selbst zu 'Fällen'. Mal ehrlich: Was könnte Sozialarbeiterlnnen mehr irritieren als das Ausbleiben von 'Hilfsbedürftigen'? (Schauen Sie sich beispielsweise mal eine OT an, bei der die Besucher ausbleiben!) Oder anders: Was freut sie mehr, als eine Gruppe von Leuten, die sie betreuen können? (Der sozialarbeiterische Eifer ist zuweilen ungeheuerlich!) Es ist hart aber ehrlich: sie beuten ihr Klientel aus, materiell wie immateriell. Sie verstehen es, das Ausbeutungsverhältnis undeutlich bis unkenntlich zu machen, z.B. indem sie sich nicht direkt, sondern durch Dritte, womöglich über sogenannte 'Clearing-Stellen', entlohnen lassen. Sie verdienen nicht nur mit und durch ihre Klienten ihren finanziellen Lebensunterhalt, sie arbeiten häufig auch an ihnen ihre eigenen Probleme ab, sie verschaffen sich durch die 'noch Armseligeren’ ein gewisses Überlegenheitsgefühl, sie genießen die Macht, die ihnen von Amts wegen durch ihren offiziellen Status verliehen ist, sie lassen vielleicht sogar ihr Klientel tun, was sie selbst gern täten, wenn sie nur nicht so furchtbar durchschnittlich, feige und angepaßt wären. Sie schmarotzen an dem Leid, das Außenseiter tragen, und manchmal gestehen sie sich sogar ein, daß sie sich einer gewissen Bewunderung für ihre Klienten nicht erwehren können. Was ist das für ein Spiel, wo jene, die gerade mal gegen die kleinkarierten Normalitätszumutungen ihrer Eltern motzen, psychiatrische Patienten auf der geschlossen Abteilung betreuen? Was passiert da, wo kiffende Sozialarbeiterlnnen Junkies therapieren wollen? Was bedeutet es, wenn jemand, der mit einem furchtbar schlechtem Gewissen irgendwo mal einen Ring oder ein T-Shirt geklaut hat, hochkarätigen Straftätern im Knast helfen will? Wer hilft da wem? Wenn es die 'harten Fälle' nicht schon gäbe, frage ich mich manchmal, würden dann nicht viele Sozialarbeiterlnnen genau das tun, was die, die sie jetzt kurieren, bereits getan haben?

Spätestens seit ihrer Institutionalisierung und Professionalisierung ist der parasitäre Grundzug der Sozialarbeit nicht mehr zu übersehen. Zuvor hatte man ja noch glauben machen können, daß sie rein caritativen Charakter habe, daß es um Aufopferung, Barmherzigkeit, Mildtätigkeit, Hilfsbereitschaft oder Nächstenliebe ginge, um guten Willen und edle Absichten also. Man konnte noch so tun, als folge man einem inneren, moralischen Ruf, als sei man ausersehen, menschliche Not zu lindern und soziale Mißstände abzuschwächen. Das Helfen ist aber heute keine Berufung mehr, es ist vielmehr ein Beruf geworden, für den man eine curricular vorgeschriebene Ausbildung an Fachhochschulen, d.h. mehr oder weniger kanonisierte und abprüfbare Qualifikationen braucht. Man kann nicht mehr einfach helfen, sondern muß vorher Scheine machen, Klausuren schreiben, Prüfungen ablegen, sein Können unter Beweis stellen. Man kann versuchen, auch dies noch auszunutzen: ökonomisch, d.h. mit möglichst wenig Einsatz an das Diplom zu kommen, den Freiraum des Studentenstatus zu genießen, seine Zeit frei einzuteilen, schon mal was ausfallen zu lassen, andere rackern zu lassen und sich selbst zu schonen und wenn nötig kräftig zu klagen, wie unergiebig die Seminare, wie verkorkst der Studiengang, wie blöde die Dozentlnnen und KommilitonInnen etc. sind. Man kann so aber auch anders, mit viel Fleiß und hohem persönlichen Engagement, seine Berufserlaubnis erwerben und dann darf man für die regelmäßige Ausübung des Berufes Einkommen in Form von Geldzahlungen fordern, und natürlich auch verträgliche und vertraglich abgesicherte Arbeitsbedingungen: akzeptable Arbeitszeit- und Pausenregelungen, Urlaubsanspruch und Altersversorgung, Kranken- und Sozialleistungen, die Bereitstellung einer organisatorischen, personellen, räumlichen und apparativen Mindestausstattung usw. Nachdem man sich durch eine klagen- und plagenvolle Ausbildung geschlagen hat, dürfen nicht mehr nur die Bedürftigen Ansprüche stellen, auch ihre professionellen Helfer haben nun legitime Forderungen.

Sobald die Sozialarbeit zu einem Beruf (wie jeder andere) wird, kann man schlechterdings noch davon ausgehen, daß es hier um ein selbstloses, angesichts von Not und Bedarf spontan einsetzendes individuelles Handeln geht. Vielmehr vermittelt uns der Arbeitsalltag von Sozialarbeiterlnnen das Bild einer mehr oder (meist) minder gut durchorganisierten, bürokratisch verwalteten, rechtlich reglementierten und politisch programmierten Großveranstaltung, bei dereinerseits die Schicksale der Bedürftigen zu numerierten Fällen degenerieren, an denen das individuelle Leid und die persönliche Not nicht mehr wirklich abzulesen sind. Andererseits werden die Helferlnnen zu 'Rädchen im Getriebe', die sich den anfänglichen Enthusiasmus nicht lange leisten können. Auch Sozialarbeiterlnnen dürfen sich schließlich als Opfer fühlen, nicht mehr Opfer ihrer Opferbereitschaft, eher Opfer des Funktionierens eines formal organisierten, funktional ausdifferenzierten Hilfesystems, das das alte Ideal persönlicher Hilfe unter Familienangehörigen, Freunden, Nachbarn, Verwandten oder auch Fremden in den Schatten stellt und an seine Stelle wohlfahrtsstaatliche Programme, rechtliche Reglementierungen und professionelle Standards setzt. Der Glaube, daß es um etwas anderes ginge, als um die Re-Produktion des Systems im Großen (Gesellschaft) wie im Kleinen (sich selbst am Leben erhalten), wird zu einer Ideologie, die vergessen lassen soll, daß hinter den Hilferufen und Klagen der einen und den Protesten und Vorwürfen der anderen ein erbarmungsloses System waltet, das jeder einzelne für sich tagtäglich in seiner allzu oft (!) beklagten Ohnmacht - mächtig mitproduziert. Bitte schön: sie leben in und von diesem System! Sie bilden das System, sie sind es!

Das Parasitäre der Sozialarbeit kommt besonders dort zum Ausdruck, wo die Klientel aus Zwangsrekrutierten besteht, wo sich Menschen nicht aus eigenem Antrieb hilfesuchend an die Sozialarbeiterlnnen wenden, sondern sich die professionellen HelferInnen auf hoheitlich-repressiven Geheiß, auf einen Richterspruch, eine amtliche Verfügung oder eine ärztliche Anweisung hin, an die Personen wenden, die fortan von ihnen als Klienten traktiert werden. Von dem Aberglauben, daß die Sozialarbeit nur aus menschenfreundlicher Hilfe bestehe, werden Novizlnnen spätestens dann kuriert, wenn sie erfahren, daß sie als Kontrolleure und Vollzugsorgane der Staatsgewalt benutzt - manche sagen noch 'mißbraucht' - werden. Sozialarbeiterlnnen haben oft unfreiwillig Zuarbeit für andere Instanzen und Professionen zu leisten, und was das Verrückte ist, sie tun es auch, wenn auch nicht immer konsequent und effizient, aber immerhin. Wer drängt sie dazu? Hat der Parasit etwa einen Parasiten im Nacken?

Nicht nur einen! Eine ganze Palette von Parasiten hängt an den SozialarbeiterInnen. Die eigentlichen Profiteure an den bestehenden Bedürftigkeiten sind doch gar nicht sie. Das sollte man bereits geahnt haben, als man das Wort 'Arbeit' in ihrer Berufsbezeichnung vernahm. Wer arbeitet hat stets einen im Nacken, der aus seiner Tätigkeit unbezahlten Nutzen zieht! Wir werden auf die zu achten haben, die sich 'Arbeitgeber' nennen, darauf, was diese ‘Geber’ nehmen. Und weiter: Was hat es mit dem berühmten’ burning-out-Syndrom’ auf sich? Durch wen oder wodurch werden SozialarbeiterInnen denn so ausgebrannt? Wer oder was wärmt sich an dem Feuer, in dem sie ihre physischen und psychischen Energien verheizen? Sind das nicht die, die sie heilen, erziehen, belehren, beraten, trösten, aufklären, bilden und bessern. Ihre Klienten saugen an ihnen, wie das Baby an der Mutterbrust. Sie saugen an ihnen und beladen sie mit ihren Problemen. Manch eine/r bricht völlig ausgezehrt unter dieser Last zusammen.

Die Sozialarbeit hat ein 'doppeltes Mandat', wie es so schön heißt. Durch die eine Seite ihres Mandats ist sie ihrer Klientel verbunden, die andere Seite ihres Mandats aber bindet sie an die Vorgesetzten, letztendlich an die Staatsgewalt. Richten wir unseren Blick auf diese Seite ihres Mandats, denn hier erscheinen die wahren, wirklichen und ureigentlichen Parasiten, denen gegenüber Sozialarbeiterlnnen lächerliche Parasitenattrappen darstellen. Sie kommen daher als Abteilungs- und Amtsleiter, als Vorstände und Funktionäre, als Aufsichtsräte und Geschäftsführer, als Weisungsbevollmächtigte und Anordnungsbefugte. Zu dieser Parasitenclique gehören alle, die den Sozialarbeiterlnnen 'etwas zu sagen haben', deren meist schriftlich fixierten Worten SozialarbeiterInnen Folge zu leisten haben, die in welcher Form auch immer Einfluß auf das alltägliche Tun der SozialarbeiterInnen nehmen. Da sind nicht nur die Chefs und Vorgesetzten, da sind die Rechtsprecher, die Juristen, die z.B. Anspruchsvoraussetzungen codifizieren, die als Richter ihre Urteile (im Namen des Volkes!?) fällen, da sind die Staatsanwälte, die (im Namen des Rechtsstaats!?) anklagen und die Rechtsanwälte, die (im Interesse ihrer Klienten!?) die Angeklagten verteidigen. Da sind die Politiker, die kleinen und die großen, die die wohlfahrtsstaatlichen Programme verabschieden, die in Wahlkampfveranstaltungen mehr Sozialleistungen versprechen dürfen, die sie in der Realpolitik dann streichen müssen. Da sind die kommunalen Schatzmeister, die die "Töpfe" verwalten und über Aus- und Eingänge genauestens Buch führen. Da sind die Verwaltungsmenschen und Bürokraten, die dafür sorgen, daß alles nach fest gesetzten Regeln verläuft und alles seine administrative Ordnung hat. Die wahren Parasiten sind all jene Damen und Herren, die nicht vor Ort, nicht an der Basis, sondern im zweiten, dritten oder vierten Glied tätig werden, die sich nicht 'die Hände schmutzig machen' und sich auf Distanz zum ‘Abfall’ halten, seinen üblen Geruch meiden und von oben herab die Geschicke der Bedürftigen wie der Sozialarbeiterlnnen planen, lenken und leiten. Sie regulieren, kanalisieren, disponieren und kalkulieren. Sie urteilen und begutachten, sie schreiben Zeugnisse und blaue Briefe. Sie loben und tadeln. Sie meiden den direkten Kontakt zu den 'Abfällen' wie zu den Müllfrauen bzw. -männern und üben sich im Anlegen von Akten, Erlassen und Schriftstücken. (Ein befreundeter Sozialarbeitskollege pflegt sie ‘Tintenpisser’ zu nennen.) Sie verfügen nur und lassen tun. Sie ordnen an und überwachen die Ausführungen ihrer Anordnungen. Sie sind die wirklichen 'Herren', weil sie nichts Fremdes, sondern nur Eigenes verteidigen, genauer: verteidigen lassen. Sie sind wie die Jäger auf hohem Roß und unsere Sozialarbeiterlnnen sind die Hunde, die durch das Unterholz gejagt werden.

Diese 'Herren' schicken die Sozialarbeiterlnnen an die Front und lassen sie für sich ackern. SozialarbeiterInnen schimpfen über 'die da oben', darüber, daß sie eigentlich gar nicht wissen, was 'da unten’ an der Basis vor sich geht, darüber, daß sie für die vielen kleinen, aber entscheidenden Probleme des sozialarbeiterischen Arbeitsalltags zu wenig oder gar kein Verständnis haben. Die Schimpfe geht soweit, daß behauptet wird, die 'Herren' behinderten mit den meisten ihrer Entscheidungen eine effektive Sozialarbeit statt sie zu unterstützen. Stimmt das so?

Das Ganze klappt trotzdem, und es klappt vielleicht deshalb, weil die 'Herren' und die Sozialarbeiterlnnen sich im Grunde sehr ähnlich sind. Sie sind Verbündete, sie ziehen am selben Strick. Auch wenn 'die da oben' am längeren Hebel sitzen, hebeln sie alle doch gemeinsam an grundsätzlich geteilten Normen- und Wertestandards. Sie tun sich nichts, wenn sie auch übereinander herziehen. Die, die wirklich verletzen, die sitzen irgendwo in Heimen oder in Anstalten. Also mal ernsthaft gefragt: Was wäre eigentlich, wenn es ‘die da oben', die den Sozialarbeiterlnnen im Nacken sitzen, nicht gäbe? Würde dann etwa deutlich, daß Sozialarbeiterlnnen nicht nur ein gegebenes gesellschaftliches System aufrecht erhalten helfen, sondern daß sie im Grunde ihr eigenes System, sich selbst aufrecht erhalten und gegen den Widerstand eines Teils ihrer Klientel verteidigen? Sie helfen nicht 'dem System', sie sind das System. Sie helfen sich! Sie sollten die Vorgesetzten, die ihnen als Alibi dienen, nicht verspotten.

Aber urteilen wir nicht zu hart. Sagen wir es so: Sozialarbeiterlnnen sind Grenzgänger, sie wandeln zwischen Oben und Unten, oft haarscharf zwischen Legalität und Illegalität, zwischen Anstand und Abgrund. An ihren Lebensenergien wird von zwei Seiten gesogen. Sie werden von 'denen da oben' wie von 'denen da unten' ausgenutzt. Von beiden Seiten bedrängt, tun sie, was sie tun. Sie geben bis zur Erschöpfung. Sie arbeiten sich mit einer ehrenwerten (doch leider viel zu wenig geehrten) Hartnäckigkeit durch einen Dschungel von Hindernissen, Beschwernissen und Reglementierungen. Sie stecken Verluste, Enttäuschungen und Fehlschläge ein. Sie stellen sich dem ganzen Mist, aus dem 'die da oben' wie 'die da unten' ein dichtmaschiges Netz knüpfen. Sie stecken bis zum Hals 'in der Scheiße', um es mal deutsch zu sagen.

Und da tauchen (wie gerufen) neue Helfer auf, Helfer der Helfer, fast ihresgleichen: sie bieten effizientere Methoden, fachmännische Problembearbeitungsstrategien, Erfahrung, Hilfestellung in aussichtslos erscheinenden Lagen, Fort- und Zusatzausbildung, Beratung und Supervision an. Es sind Parasiten, die sich noch zwischen die Herrschenden und Hilfsbedürftigen einerseits, und die SozialarbeiterInnen andererseits schieben. Sie profitieren von der Notlage der Sozialarbeiterlnnen, von ihrer tendenziellen Überforderung im Umgang mit den Klienten, den Behörden und Gerichten. (Produzieren sie vielleicht erst diese 'Notlage'?) Zu den Helfern der Helfer gehören nicht zuletzt die (Fachhochschul-)Lehrer, die (angehende) Sozialarbeiterlnnen mit Fachwissen versorgen. Helfen sie ihnen damit oder stören sie sie nur? Ich weiß es nicht. Vielleicht helfen sie, indem sie stören. Sie liefern wissenschaftlich begründetes Wissen aus den Bereichen Philosophie, Kriminologie, Medizin, Pädagogik, Politologie, Psychologie, Soziologie, Recht, aus der Verwaltungs- und Institutionenlehre, aus den Erziehungswissenschaften und der Heilpädagogik. Sie vermitteln die Relevanz- und Geltungskriterien des wissenschaftlichen Diskurses, erklären in Seminaren zur Methodik und Didaktik die 'Regeln der professionellen Kunst'. Auch diese Anbieter - seien es nun Verkäufer technisch instrumentellen Rezeptwissens oder Händler eines kritischen Problembewußtseins beziehen ihren Lohn bzw. ihr Gehalt. Auch sie leben letztendlich - und nicht schlecht von Systemabfällen, von der durch Regeln verstellten und durch vielfältige Ansprüche immer unübersichtlicher werdenden Welt des Helfens.

Die Verhältnisse haben sich verkompliziert, zu viele Parasiten tummeln sich vor unseren Augen, doch wir sind noch nicht am Ende. Die Parasitenkaskade reißt nicht ab. Da ist zumindest noch ein Superparasit anzusprechen, ich nenne ihn 'die kritische Öffentlichkeit'. Da finden sich Sprecher, Kommentatoren, allen voran die Fach-Journalisten und Publizisten, die sich ihr Brot und ihr Ansehen damit verdienen, daß sie sich über die Rechtsanspüche der Betroffenen, die Urteile der Richter, die politischen Entscheidungen, die Haushalts- und Finanzpläne von Bund, Ländern und Gemeinden, die Politik der Verbände und Trägerschaften, das Lehrangebot der Ausbildungsstätten und schließlich die praktische Sozialarbeit selbst auslassen. Auch die professionellen Beobachter und Beschreiber, denen es angeblich um Verhältnismäßigkeit, Aufklärung, Analyse und womöglich noch um Gerechtigkeit und Moral geht, schmarotzen am Hilfesystem und leben im Grunde von den Fehlern und Pannen derjenigen, die sich da abmühen. In Wahrheit profitieren sie vom Veruf, wollen nur Schlagzeilen und Skandale. Die Kommentatoren und Kritiker sind die Schlimmsten, weil sie sich immer in den Nacken der anderen zu setzen wissen. Reden schwingend, Artikel und Bücher schreibend, sich Gehör und Aufmerksamkeit verschaffend, lenken sie die Fleißigen von ihrer Arbeit ab, behindern sie mithin in ihrer Arbeit. Sie sind einfach 'königliche Parasiten'. (Wer ist der Kaiserparasit? Wer schmarotzt noch an ihren Äußerungen?)

Wir müssen eine Zwischenbilanz einlegen: Eigentlich sollte es doch um Hilfe gehen, und zum Schluß stellen wir fest, daß die Hilfe in den Hintergrund tritt zugunsten all der Parasiten, die die Not und Bedürftigkeit anderer mißbrauchen und aus ihr ihre Vorteile ziehen. Da muß es doch eine Quelle geben, die reichlich sprudelt. Irgendwoher müssen doch all diese störenden Fresser bezahlt werden. Ist die Quelle etwa der Staatshaushalt, der Sozialetat? Auf den ersten Blick ja, doch beim zweiten Blick wird klar, daß auch er sich nur aus fremden Quellen speist, aus den Einkünften der Steuerzahler. Der Staat selbst ist ein gigantischer Parasit an seinen Bürgern, ein unersättliches und gefräßiges Monstrum. Seine Quellen sprudeln nur, weil er ständig von woanders her Mittel absaugt, die er dann an jene verteilt, die sich parasitär an ihn heften. Aber wo saugt er die Mittel ab? Da muß es doch unter den Steuerzahlern auch Produzenten geben, die soviel produzieren, daß nicht nur sie, sondern der ganze Rattenschwanz an Parasiten davon leben kann.

Wir wußten es immer schon: es sind die produktiv tätigen Arbeiter (und Bauern), die, die einzig Werte und Mehrwerte schaffen, mehr Wert, als sie zu ihrer eigenen Reproduktion benötigen. Von ihnen leben alle anderen, die ihnen schließlich auch noch einreden wollen, sie leisteten an ihnen Dienste: erfänden für sie tolle Fernsehserien, konstruierten für sie schicke Autos, schlössen für sie günstige Tarifverträge ab, machten gute Politik für sie, erforschten in ihrem Interesse die Welt und humanisierten für sie die Arbeitsverhältnisse. Was sollen die Arbeiter diesen Parasiten antworten?

Lange Zeit konnte man glauben, im produktiv Tätigen jemanden vor sich zu haben, der nun wirklich nicht als Parasit zu begreifen ist, doch mittlerweile steht fest: sie sind auch Parasiten, zumindest Parasiten an der Natur, deren Rohstoffe sie plündern, ohne ihr den Gegenwert zurückzuerstatten. Die produktive Arbeit hat ihren Heiligenschein verloren und muß sich vorhalten lassen, daß sie immer auch destruktiv und oft sogar vernichtend ist. All diese 'Produktiven', die sich oft hochnäsig über die nur 're-produktiven' SozialarbeiterInnen erheben, stehlen ihren Zeitgenossen und folgenden Generationen noch die letzten Reste der Natur, sie verunmöglichen den Genuß klaren Himmels, sauberer Luft, reinen Wassers und grüner Wälder. Wer will sich denn heute noch weis machen lassen, die Arbeiter seien ‘unschuldig’, ihnen säße das Kapital (!!!!! der ‘Megaparasit’ !!!!!) im Nacken? Auch das 'böse Kapital' kann für den verbürgerlichten Proleten nur noch Alibi sein, weiter zu machen. Wenn sie es wirklich wollten, könnten sie es ändern, doch sie haben Angst um ihren 'gehobenen Lebensstandard', um den sie der Rest der Welt angeblich beneidet.

Unser Bild rundet sich allmählich ab: der Mensch ist universeller Parasit an der Natur und an seinen Mitmenschen. Er beutet aus, mißbraucht, er parasitiert an allem und jedem in seiner Umwelt. Der Mensch ist nicht des Menschen Wolf (Hobbes), das wäre viel zu kämpferisch und heroisch gedacht. Der Mensch ist des Menschen Laus (Serres). Das trifft dieses kleine, unscheinbare, ständig saugende und sich zu einer riesigen Parasitenkultur verklumpende Wesen Mensch viel besser.

Unsere Sozialarbeiterlnnen befinden sich somit in 'guter Gesellschaft': Parasiten unter Parasiten. Wir müssen lernen, die sozialen Verhältnisse als zutiefst parasitär zu begreifen und die Sozialarbeit in den Begriffen einer Parasitologie zu beschreiben. Dann erst wird deutlich, daß die Sozialarbeit ihre Position nur dadurch gewinnt, daß sie bei den 'Ab-Fällen', an den Störstellen und Reibungspunkten des Systems ansetzt, auf sie aufmerksam macht, sie lauthals als (unzumutbare) facts verkündet und sie gleichzeitig im Eigeninteresse wie im Interesse des Funktionierens des Gesamtsystems zu beheben, zu mindern oder zu übertünchen versucht. Sie zeigt das Übel auf, beschmutzt die Fassade des Systems und verspricht Ab-Hilfe. Das System läßt sich seine Ordnung etwas kosten. Es bezahlt für ein sauberes Funktionieren. Doch der Fluß der Zahlung geht nicht direkt an die Störstellen. Die Parasiten setzen sich dazwischen. Die Kanäle werden von ihnen durchlöchert. Abzweigungen und Verluste überall. Das ist die Normalität, daß Lecks ins Netz der Güter-, Dienstleistungs-, Geld- und Informationsströme geschlagen werden. Das ist die Arbeit der Parasiten, Löcher zu schlagen und Löcher zu stopfen, sich zu versorgen mit Gütern, Diensten, Geld und Information und sei's dadurch daß sie den Umweg über die Sorgen derer nimmt, für die niemand sorgt.

Das System funktioniert immer nur, weil es ständig gestört wird, weil Parasiten für Verluste und Abzweigungen (und Ab-Hilfe) sorgen.

Die Aufgabe des Parasiten Sozialarbeit ist es, sich im gesellschaftlichen Funktionsgefüge (oder besser: in den Parasitenkaskaden) so zu positionieren und die Ströme so umzuleiten, daß sich zu dem Heer von Bedürftigen, die um ihr Überleben kämpfen, ein Heer von Professionellen, Beamten, Arbeiter und Angestellten, Zuarbeitern und Zulieferern am Leben erhalten kann. Da muß es - und kann es lange schon nicht mehr - einen 'objektiven', 'unverrückbaren', 'wirklichen' Anlaß geben, der die materiellen Umleitungen und finanziellen Abzweigungen rechtfertigt. Da muß etwas 'künstlich’ konstruiert werden. Das hören wir nicht gerne, weil wir glauben, es gäbe 'echte' Not, 'wirklichen' Bedarf. Mag sein, in Botswana vielleicht, wo die Fliegen den Kindern in die Augen kriechen und ihre Mütter zu ausgehungert und zu schwach sind, um diese Parasiten zu vertreiben. Hier bei uns, ich meine dem 'entwickelten’ Teil der modernen Welt, ich meine Deutschland, genauer, die Bundesrepublik, hier müssen Anlässe erst gemacht und in einer Sprache produziert und formuliert werden, die das System und seine Vertreter provoziert, die Resonanz produziert. Wir (als Systemvertreter) produzieren scheinbar weniger Resonanz, wenn wir von botswanischen Fliegen hören, als wenn wir erfahren, daß in unserem Medienzentrum noch mit völlig veralterten Monitoren gearbeitet wird oder daß es noch nicht überall Krabbelstuben für die Kinder überlasteter Eltern gibt. (Nichts gegen moderne Monitore und Krabbelstuben! Nein, ich bin dafür, denn was ist das gegen all den Überfluß, den unsere 'Mega-Parasiten', die Stinkreichen, sich gönnen? Nur ... )

Sozialarbeiterlnnen haben Sprecher und Wortführer zu sein für jene, die 'nichts zu sagen haben', die nichts sagen können. Sie haben deren Konflikt- und Problemlagen so zu übersetzen, daß jene, die etwas zu sagen (und zu geben) haben, betroffen, irritiert, erregt und beunruhigt werden. Erst dann öffnen sich die Schleusen, fließt etwas für die Sozialarbeit und das, was sie vertreten, ab. Erst dann ist das System zum Tausch bereit. Aber, was ist das für ein Tausch? Geld gegen Leistung? Einkommen gegen Hilfe? Nein, getauscht werden Münzen gegen gute Worte, oder auch materielle Güter gegen Schweigen. Parasiten machen das immer so. Sie machen Lärm, erregen Aufsehen, stören. Sie halten Lobreden oder sie beschimpfen. Sie reden von den Vorzügen des Systems, von der Großherzigkeit der Gönner: sie schmeicheln. Oder sie reden von ihrem historischen Auftrag, von ihrer Unvermeidbarkeit und Unverzichtbarkeit, von dem Heil und dem Segen, den sie spenden: Sie schmeicheln sich selbst. Oder sie reden von dem Übel, das sie (kommen) sehen, von der Ungerechtigkeit, die es abzuschaffen gilt, von der Schuld, die man zu begleichen habe: Sie schimpfen und klagen an. Die guten Worte sollen den unbeglichenen Teil einer offenen Rechnung decken. Die bösen Worte machen neue Rechnungen auf. Die Sozialarbeit schiebt sich - wie jeder anständige Parasit - mit guten und mit bösen Worten zwischen Bedürftige und einen Dritten. Sie setzt sich auf die unmittelbare Beziehung zwischen Bedarf und Quelle. Auch das ist typisch für den Parasiten, Beziehungen anzuzapfen. Sie saugt ihren Teil von dem, was da fließt, zwischen den einen und den anderen, für sich und ihre Leute ab. Sie spielt sich als Vermittlerin auf, als Medium. Wenn und soweit es ihr gelingt, mit der Not von Menschen an entscheidenden Stellen zu stören und Resonanz zu produzieren, wird sie prosperieren.

Jetzt sind wir soweit, es deutlich zu formulieren: Die Sozialarbeit als Parasit ist ein Erreger, ein Störer, einer, der gegebene Zusammenhänge imitiert, der ein Milieu in Unordnung bringt, ein Gefälle einführt, so daß etwas in Bewegung gerät. Sie bringt etwas dazu, zu rutschen, abzufliegen. Sie beunruhigt andere, auf daß sie sich verausgaben, auf daß sie Ausgaben tätigen. SozialarbeiterInnen haben dafür zu sorgen, die Systeme, mit denen sie sich beschäftigen, ständig aus ihrem Ruhezustand zu entfernen, sie aufzurütteln und aufzuhetzen, Fieber zu erzeugen, wachzurufen, bewußtzumachen. Der echte Parasit ist nicht einfach ein nutzloser Fresser, wie uns die Schimpf- und Kampfvokabel glauben macht. Er ist vielmehr ein nervöser Unruhestifter, ein Floh, ein Provokateur, einer, der ein stabiles System durch sein Zittern zum Zittern bringt. Kein Systemveränderer, aber immerhin ein Systemzustandsveränderer. Jemand, der das System in Bewegung, am Laufen, am Leben hält, auf daß die unvermeidlichen ‘System-Abfälle’ nicht wirklich abfallen, sondern - wo möglich - in einem 'Recyclingprozeß' wiederverwertet werden.

Sozialarbeit liefert Voraussetzungen für ein 'gutes Funktionieren' des Systems, vielleicht stellt sie aber auch an vielen Stellen seine Unterbrechung und Störung dar. Viele Parasiten vergessen im Laufe der Zeit ihre Funktion. Sie lassen sich nieder, etablieren sich und hören auf, zu stören. Sie richten sich ein und gehören bald ganz einfach dazu. Sie werden unsichtbar, unhörbar, unbemerkbar. Sie haben ihren Nutzen verloren und degradieren zu langweiligen Fressern, die ihr Fressen durch keine Störung verdienen. Das ist die wahre Gefahr, daß der Parasit schließlich nur noch von Freunden umgeben ist, von Fressern seinesgleichen, die alle anders, doch letztlich gemeinsam aus einem Napf löffeln, an derselben Tafel speisen, Freunde, die auf Gedankendistanz operieren, sich aber niemals schlagen. Sie haben ihre Ambivalenz verloren, sind eindeutig geworden, sie sind keine echten Parasiten mehr, sie verdienen diesen Ehrentitel nicht. Da freut man sich doch, wenn Klientenrechtsgruppen, kollektive Zusammenschlüsse und selbstorganisierte Initiativen, sich erheben, ihre Interessen quer zu den professionellen Richtigkeitsnormen zu formulieren. Da wird es wieder spannend, wenn Mißtrauen laut wird gegenüber dem formal organisierten Hilfesystem. Wir wissen, auch diese Protestler sind Parasiten. Parasiten welcher Sorte? Wollen sie nur die Näpfe für den 'Mega-Parasiten’ sichern? Wollen sie die Staatsfinanzen entlasten? Oder wollen sie die etablierte Selbstgefälligkeit einiger etablierten Hilfeprofis irritieren? Wollen sie die satte Expertenherrschaft stören?

Parasiten können mit dem Lärm, den sie schlagen, auf sehr störende Fragen aufmerksam machen! Und das ist gut so, denn: Nichts ist bedrohlicher als eine Welt ohne Fragen, als ein System ohne Störung, als eine Gesellschaft ohne Parasiten.

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