Zurück zum Ferkelstall

Die Geschichte von der Entstehung des Lousberges bei Aachen

Als die Aachener den Dom bauten, ging ihnen das Geld aus. Sie schlossen mit dem Teufel einen Pakt. Er lieferte das Baugeld, sie würden bei Fertigstellung dem Teufel die Seele des Lebewesens überlassen, das als erstes den Dom betreten würde.

Die Aachener, nicht dumm (im Dialekt: "lous"), jagten einen Wolf (1), den sie in den Ardennen gefangen hatten, in die Kathedrale und der betrogene Teufel schwor der Stadt Rache, hatte er doch darauf gehofft, daß Kaiser Karl den ersten Schritt in den Dom setzen würde. Er ging nach Holland an die See und lud sich einen riesigen Sack Sand auf die Schultern.

So näherte er sich Aachen; sehr müde fragte er ein altes Weib unterwegs, wie weit es noch bis Aachen sei. Es waren nur noch wenige Kilometer, doch das Weib hatte den Pferdefuß rechtzeitig erkannt, und als gute Aachenerin war sie ebenso "lous" wie die Stadtväter, die den Teufel so arg übers Ohr gehauen hatten. Das Weib zeigte dem Teufel seine durchlaufenen Schuhe und sagte: "Seht Herr, diese Schuhe habe ich neu in Aachen gekauft, und jetzt habe ich Löcher in den Sohlen; so weit ist es noch bis Aachen."

Der Teufel gab auf und warf den Sack in die Landschaft. Dort liegt er noch heute ganz nahe bei Aachen und dank der Eingemeindungen in diesem Jahrhundert ist er nun ein Park inmitten der Stadt. Weil das Weib und die Aachener so klug, so "lous" gewesen sind, gab man dem Berg den Namen "Lousberg".(2) Jedes Kind in Aachen kennt diese Geschichte und alle Kinder in Aachen sind stolz, Aachener zu sein; denn d.h.: klüger als der Teufel sein. Mit Hilfe dieser Geschichte werden die Aachener Kinder bis zum heutigen Tag schlauer als die meisten Kinder der Welt. Vor keinem Teufel haben sie Angst.

Goethe kannte wohl auch diese Sage, denn er läßt den Mephisto-Teufel im Faust sprechen:

"Ich bin ein Teil von jener Kraft,
die stets das Böse will und stets das Gute schafft".

Der Teufel (zu deutsch: Durcheinanderbringer, Störer, oho, der Teufel als Patron der Berater, Sozialpädagogen, Sozialarbeiterinnen , na so was, wer hätte das gedacht: oder doch lieber die Stadtväter und das alte Weib aus Aachen?), die Stadtväter, das alte Weib als Umdeuter, Reframer, Kontextveränderer. Der Teufel mehr wider Willen. Die Stadtväter ganz bewußt: den Wolf statt der Christenseele; das Weib ganz schön "lous": die alten Schuhe und ein weiter Weg. Am Ende verschafft der Teufel den Aachenern eine grüne Zone mitten in der Stadt, eine Augenweide, ein Biotop, ein Lustgarten, in dem besonders zur Maienzeit die jungen Paare lustwandeln.


Fußnoten
(1) Der "Wolf" steht in Bronze gegossen heute in der Vorhalle des Domes mit einem Loch in der Brust und blickt voll Zorn auf seine Seele, die in der Form eines großen Pinienzapfens gegenüber steht. Die mächtige karolingische Domtür hat einen Riß und in dem rechten Türlöwen steckt noch der versteinerte Daumen des Teufels. Geh hin und fühl ihn, wenn Du keine Angst hast! Aachener Kinder fürchten sich nicht, alle haben des Teufels Daumen betastet.
Nun der Wolf und der Pinienzapfen waren Brunnenfiguren zur Zeit Karls des Großen im Vorhof des Domes. Auch ist der Wolf kein Wolf, sondern eine Bärin, das Totem-Tier der italischen Diana, der griechischen Artemis, der keltischen Duna (nach der die Ardennen bei Aachen benannt sind), die Bärengöttin selbst, die Mondgöttin in mutterrechtlicher Zeit. Historiker vermuten, daß das Bronzestandbild der Bärin zum Aachener Götterbild aus römischer Zeit gehört habe. Das linke Bein ist in karolingischer Zeit nachgegossen worden. Vielleicht befand sich dort der Mantel der Göttin, deren Standbild eingeschmolzen wurde, die herrlichen Gitter im Dom zu gießen, wer weiß ? So wie aus der Bärin der Wolf, wurde aus der keltischen jungfräulich-mütterlichen Duna, die römische Diana und als die Christen tauften, wechselte die göttliche Bärin erneut ihren Namen und hieß fortan Jungfrau und Gottesmutter Maria. Als Patronin des Domes schwebt sie als Mondgöttin über der Mondsichel in der Chorhalle gebenedeit unter den Frauen, während der pfcrde (eigentlich bock-) füßige Pan als teuflischer Mädchenschreck vor den Mauern der Stadt sein Unwesen treiben muß. Oh, Du sanfte Kunst des Umdeutens ... heilige Diva, bitte für uns !

(2) Sprachwissenschaftlern ist natürlich klar, daß Lousberg Ludwigs (Louis-)berg bedeutet. Wahrscheinlich ist er nach Kaiser Karls eher bigottem als lousem Sohn Ludwig, dem Frommen benannt worden. Doch was soll's, die Sagenbäcker backen ihre Kuchen.
Vielleicht war es Karl selbst, der aus der Bärin einen Wolf machte, und sie zum Wappentier des renovierten Imperium Romanum erhob, so wie er dem Dom einen neuen Patron zu geben versuchte, den Salvator. Salvator-Heiland war ein alter Kaisertitel. So machte sich der Kaiser selbst zum Patron der Kirche als Stellvertreter des Heilandes hier auf Erden.
Oh, diese Männer! In Rom war es noch eine Wölfin, die Romulus und Remus säugte. Nun, trösten wir uns, der Dom blieb Marienkirche, die göttliche Bärin setzte sich durch; der Salvator-Kaiser verschwand, die Republik und die Demokratie tragen weibliche Artikel.

Zurück zum Ferkelstall


©   IBS - Institut für Beratung und Supervision - Aachen