von Uta M. Walter
Ein Foto kommt mir in den Sinn, wenn ich an Britta denke. Es hängt in Brittas Flur. Aus der Vogelperspektive aufgenommen zeigt es zwei Leute auf dem Fliesenboden einer Terrasse sitzen. Man sieht jede Menge Kopf und Beine auf dem dezenten Karo der weissen Fliesen, und wer genau hinschaut, kann ein paar Papiere ausmachen, über denen die zwei an jenem Sommertag brüten. Die Terrasse gehört gemeinsamen Freunden, die Köpfe und Beine zu Britta und mir, und die Papiere ebneten mir den Weg zum Sozialarbeitsstudium in den Vereinigten Staaten, von wo ich nun schreibe. Dieses Bild kommt mir in den Sinn, wenn ich an Britta denke, ein Sinnbild also ...
Perspektiven. Da ist zunächst die ungewöhnliche Perspektive, die das, was sonst so normal, gewöhnlich, gar banal erscheinen mag, plötzlich ins Neue erhebt. Immer auf der Suche nach Perspektivenwechsel setzt Britta in Lehre und Praxis, Schreiben und Handeln Akzente. Nicht zuletzt von ihr habe ich gelernt: Mit neuen Blickwinkeln verändern sich Realitäten, und aus neuen Realitäten werden neue Möglichkeiten. Die Macht des Perspektivenwechsels ist nicht nur auf den anderen gerichtet, sondern schliesst den Beobachter selbst ein, - eine Einsicht, die besonders dann hilfreich ist, wenn wir Gefahr laufen, uns selbst zu ernst zu nehmen. Wer kann sich selbst schon mal von oben betrachten, und ob des Anblicks vom Selbst als "Kopffüssler" nicht schmunzeln. Kurz gesagt: Bewahre sie, die Gabe, dir selbst (und anderen) auf den Kopf zu spucken!
Grosskariert ist nicht nur das Fliesenmuster auf der Terrasse. In einer oft kleinkarierten Welt von Bürokraten und Schulmeistern ist Brittas Blick den grösseren Zusammenhängen gewidmet. Im Vertrauen auf die Resourcen und kreativen Kräfte anderer wagt sie Grosskariertheit. Wohl wissend, dass nicht immer alles so wird, wie sie es sich vorstellt, traut sie sich und anderen dennoch. Kurz gesagt: Behalte ihn, den Mut der besonderen Sorte!
Entspannt auf dem Boden der Tatsachen sitzt sie. Keine ganz einfache Position, denn der Boden der Tatsachen ist oft hart und alles andere als bequem. Aber so verkörpert Britta jene Kunst wahrer Sozialarbeit, bodenständig und flexibel, bestimmt und locker zu sein in einer Welt, die allzuoft vermittelt, man könne nur das eine oder das andere sein. Kurz gesagt: Feiere diese Kunst, die Wissen schafft!
Den Weg zu ebnen für Freunde und Kollegen ist Brittas grösste Investition in die Zukunft. Den Weg, den sie mir an jenem Tag auf der Terrasse ebnete, ist nur einer unter vielen. Brittas Ermutigung begleitet viele StudentInnen, die ihre Wege kreuzten. Und weil es so schwer scheint, ihr dieses Geschenk zurückzugeben, versuche ich das nächst beste und gebe es weiter an die StudentInnen, die meinen Weg kreuzen. Kurz gesagt: Investiere weiter in die Zukunft!
Unter Freunden schliesslich sassen wir an jenem Tag auf der Terrasse, und bei vielen Gelegenheiten danach. Unter all den Kollegen in Wissenschaft, Lehre, und Praxis hat Britta immer Menschen gefunden, die mehr als nur Kollegen sein wollten. Und so ist ihr Zirkel von Freunden, von denen nur einige in dieser Ausgabe schreiben konnten, eine wahrlich beeindruckende Ansammlung von Menschen, mit denen man immer gerne Zeit verbringen möchte. Kurz gesagt: Mehr Terrassen mit Britta braucht das Land!
Autorin: Uta M. Walter, Diplom-Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin, Master of social work (M.S.W.), derzeit University of Kansas, School of Social Welfare, Lawrence, Kansas.
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