von Wilm-Peter Möllmann
Zu manchen Leuten fällt einem zu wenig ein,
um etwas zu ihnen zu sagen.
Zu manchen Leuten fällt einem zu viel ein,
um etwas zu ihnen zu sagen.
Die, zu denen einem wenig einfällt, sind meist
solche, denen selbst nicht viel einfällt.
Entsprechend sind die, zu denen einem viel einfällt,
solche, denen viel einfällt.
Der, zu dem ich etwas zu sagen versuche, ist nun gerade
jemand, dem viel einfällt, mehr als mir.
Zu ihm fällt mir daher also doch so viel ein,
dass es mir schwer zu verworten ... "verschriftlichen" ... wird.
Für vieles von dem, was ihm einfällt,
hat sich ein Name gefunden - Konstruktivismus.
Oder ist gar der "Konstruktivismus" vornehmlich
eine Plattform für Leute, denen viel einfällt?
Christophs Konstruktivismus handelt von vielerlei,
oder er behandelt vieles im Licht des Konstruktivismus.
Einzelne. Gruppen. Organisationen.
Wahrnehmen, Kommunikation, Handeln.
Doch aus den theoretischen Konstruktionen
werden praktische Pläne, Aktionen, gar Institutionen.
Dann muss einem plötzlich ganz viel einfallen,
wenn zu vielen anderen nichts (Gutes) einfällt.
Christoph fällt immer etwas ein, und oft etwas,
das staunen macht. Seinen Erzählungen ... Stories ... nach
auch schon mal Mauern, beinahe zumindest,
bei der Re-Konstruktiondes Hauses in Estagel.
Das Haus, in dem wir mehrfach wohnen durften,
Vogels erlebten in dem, was sie gestaltet hatten,
und immer aufs Neue, wenn das Haus wieder
aus-, um-, weitergebaut wurde. Gebaut?
Natürlich gebaut - ohne Schwielen keine Dielen,
die Spuren des Fleißes reichten oft bis nach Hause -,
aber es war nicht Reißbrett-Konstruktion,
sondern organisches Wachsen, innen wie außen.
Der Ort Estagell, katalanisch, Katharerland. Unspektakulär.
Nicht sonniges Mittelmeer, nicht idyllische Berge.
Durchgangsort dazwischen, Aufmerksamkeit suchend,
verschlossen-lebendig, malerisch in manchem Verfall.
Darin ein Labyrinth aus engen Gässchen
von denen dann noch Sackgassen abgehen:
eine dem Auto entzogen, an deren Ende
die (Vogel-)blaue Tür Zugang gibt zur Vogel-Welt.
Zur Vogel-Welt, in der man die Welt vergessen kann
auf Steinwurfabstand von Alltagstheater und Kriechverkehr.
Ein Haus aus dreien, kaum Symmetrie, viel Harmonie,
überraschende Blicke, erstaunliche Räume, vielfältige Wege.
Schöne Dinge darin, grandiose Ausblicke vom Dach,
wo sich den von der unaufhörlichen Tramontan
aus den Bergen getriebenen Wolkengewalten
geschützte Stunden der Sonne abringen lassen.
Auch der fremden Blicken entzogene Innenhof
ist voll von Einfällen für's praktische Leben
wie für die Lust des Auges und die Phantasie,
mit Raum für gewählte Elemente Natur:
War es nun das Gefühl, das Haus sei vollendet,
war es der Wunsch nach mehr Natur,
war es der Wunsch, noch mehr dazu zu gehören,
war es in mehrfachem Sinne zurück zu den Wurzeln
in jenem Landstrich, wo Wein so viel zählt,
Wein zu der Geschichte gehört, die die Gegend atmet,
dass er zu allem noch einen Weinberg erwarb:
noch ein Eigentum, das verpflichtet?
Vielleicht werden hier viele Träume
zur selbst geschaffenen Realität,
ein Traumhaus samt Weinberg,
wo Haus und Garten der Heimat schon träumen lassen.
Christoph, der gute Hausvater,
getreuer Arbeiter im Weinberg des Herrn,
und beides nicht nur symbolisch-virtuell,
sondern gefordert in handfester Realität.
So viel Haus, so wenig Christoph?
Wer beides kennt, vom Haus zumindest ein Bild hat,
versteht wohl den Zusammenhang. Ihn auf Begriffe bringen,
würde Vielfalt und Leben dürre beschränken.
Mag doch ein jeder seinen Einfällen folgen,
seine eigenen Bilder entstehen lassen:
der Person entspricht's in ihrer Vielgestalt
und dem Konstruktivismus allemal.
Christoph in Haus und Weinberg immerhin:
mit Menschen lebend, die seine Systeme
mit ihm teilen und ihm helfen, sie zu leben,
und die daraus gewinnen fürs eigene Leben.
Christoph so wie halt Christoph.
Visionär, der Schönes nahe sieht.
Realist, der Utopie einen Platz gibt.
Theoretiker, der Boden behält.
Christoph, der vielfach Mut hat:
Sanftmut mit Kraft, Langmut mit Zielen,
Demut im Staunen, Großmut im Teilen,
nur Hochmut nicht, und meist guten Mutes.
Christoph, den man vor allem versteht
aus seinen Werken, seinem Tun:
und der doch einfach ist und lebt,
liebenswert mit allen hohen Gaben.
Was Christoph sein lässt, wie er ist, tun lässt, was er tut,
sich so entfalten lässt und so zusammen hält,
ist ein öffentliches Geheimnis: die Dreieinheit
Unverzagtheit, Treue, Energie in Person.
Ein freund-schaft-licher Gruß von Deinem Kollegen
Wilm-Peter Möllmann ... mal wieder nicht ganz früh,
aber gut Ding will Weile haben. Dem Gruß schließt
Mechthild Möllmann sich Estagel(l)-begeistert an,
und er schließt selbstverständlich Ute Vogel ein.
Viersen, November 2002
Veröffentlichungsdatum: 22. September 2002
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