Das gepfefferte Ferkel



Online-Journal für systemisches Denken und Handeln
Februar
2002
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Ressourcenorientierte
Supervision - unter Berücksichtigung der Arbeit mit dem Beziehungsbrett
Ein
Seminarbericht
von Hermann Meidinger
Das Seminar, über das
hier berichtet wird, fand vom 23. - 25. März 1999 am Landesinstitut
für Schule und Weiterbildung in Soest statt. Adressaten waren 42 Schulpsychologen
aus dem Landesdienst und den Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Den Veranstaltungsrahmen
bildeten die Soester Tage der Schulpsychologie 1999, eine Veranstaltung
die im jährlichen Rhythmus vom Landesinstitut organisiert und angeboten
wird. Die Teilnehmerzusammensetzung war sehr heterogen, was das Alter,
die Ausbildung und Erfahrung als Leiter von Supervisionsgruppen sowie die
Wahrnehmung unterschiedlicher Funktionen an den jeweiligen Dienststellen
anbelangt.
Das Referententeam setzte
sich zusammen aus drei Schulpsychologen aus Bayern: Frau Dipl.-Psych. Christine
Enders, Herrn Dipl.-Psych. Dr. Roland Storath und dem Autor. Alle drei
Referenten besitzen eine Ausbildung zum Supervisor (BDP) und fungieren
als Leiter vielfältiger Supervisionsgruppen im Raum Schule (Lehrer,
Beratungslehrer, Seminarrektoren, Schulleiter, Schulaufsichtsbeamte).
1. Ziele des Lehrgangs:
-
Die Teilnehmer sollten Möglichkeit
haben, eigene Ressourcen (wieder) zu entdecken und sich ihre Bedeutung
für das beruflichen Handeln bewusst zu machen.
-
Sie sollten die Orientierung
an den Ressourcen von Supervisanden im Seminar als sinnvoll erfahren und
im Rahmen von Übungen einen Trainingsgewinn für ihre eigene Supervisorentätigkeit
in dieser Hinsicht erzielen. Wir gehen davon aus, dass der Erfahrungsgewinn
sich auch auf die schulpsychologische Beratung übertragen lässt.
Hinter diesem Ziel stehen sowohl Annahmen der humanistischen Psychologie
sowie systemisches Denken, das sehr schön von Kim Berg zusammengefasst
wird: "Wir glauben, dass die einzige Lösung, die unseren KlientInnen
helfen wird, eine Lösung ist, die sie sich selbst schaffen und nicht
eine Lösung, die von Experten geschaffen wurde." (Berg /Reuss 1999,
S. 55)
-
Durch die Verwendung eher lösungsorientierter
Fragen soll den Teilnehmern eine Möglichkeit aufgezeigt werden, Supervisanden
dabei zu helfen eigene Ressourcen zu entdecken. "Fragen dienen nicht dazu
beantwortet zu werden, sondern dazu neue Fragen zu entwickeln." (BETSCHER
/ BETSCHER 1998)
2. Begriffsklärung:
Was meinen wir, wenn wir
von Ressourcen, Supervision und ressourcenorientierter Supervision sprechen?
Im folgenden sollen diese Begriffe knapp erläutert werden.
Die Orientierung an den eigenen
Ressourcen gewinnt in der Psychotherapieforschung und in der Weiterentwicklung
von Supervision eine entscheidende Rolle. So betont GRAWE (1995), "dass
man Patienten besonders gut helfen kann, indem man an ihre positiven Möglichkeiten,
Eigenarten, Fähigkeiten und Motivationen anknüpft, indem man
die Art der Hilfe so gestaltet, dass der Patient sich in der Therapie auch
in seinen Stärken und positiven Seiten erfahren kann." (a.a.O., S.
135) So lässt sich feststellen, dass Therapeuten, die ressourcenorientiert
denken und handeln, bessere Ergebnisse erzielen als defizitorientierte
Therapeuten. "Für ein gutes Therapieergebnis spielt es nach Hunderten
von Forschungsbefunden eine sehr wichtige Rolle, in welchem Ausmaß
der Patient seinen Therapeuten als ihn unterstützend, aufbauend, in
seinem Selbstwert positiv bestätigend erlebt." (a.a.O., S. 136) GRAWE
leitet daraus die Forderung ab, dass der Therapeut darauf hinarbeiten sollte,
den Patienten sich selbst als wertvollen und fähigen Beziehungspartner
erleben zu lassen.
Dass diese Forderungen nicht
nur für Therapie sondern auch für Supervision gelten, soll Inhalt
dieses Beitrags sein. Er lehnt sich an den Überlegungen von HERWIG-LEMPP
(1997), BETSCHER / BETSCHER (1998) sowie ENDERS / MEIDINGER / STORATH (1998)
an.
1. Gedanken zum Begriff
Ressource:
Dem dargestellten Seminar
liegt ein Ressourcen-Begriff zugrunde, der systemischem Denken entspricht.
-
Lösungsorientierte Kurzzeittherapie
bekennt sich explizit zu dem Glauben an Ressourcen der Kunden. "Menschen
haben alles, was sie brauchen, um ihr Problem zu lösen" (Walter /
Peller 1996, S. 41). DEJong und Berg unterstreichen die Ressourcenorientierung
von Kurzzeittherapeuten, wenn sie auf den Begriff des Empowerments als
,,Perspektive der Stärke" verweisen, den SALEEBEY (1992 ) verwendet.
"Indem er die Arbeiten ähnlich Denkender zusammenfasst, sagt er, dass
sie sich auf die folgenden Annahmen gründet: zuallererst besitzt jede
Person trotz aller Lebenskämpfe Stärken, die sich so ordnen lassen,
dass die Qualität des Lebens der KlientIn sich verbessert. PraktikerInnen
sollten diese Stärken respektieren wie auch die Richtungen, in die
die KlientInnen sie anwenden möchten. Zweitens erhöht sich die
Motivation der KlientIn durch eine konsistente Betonung der Stärken,
so wie die KlientIn sie definiert. Drittens erfordert das Entdecken von
Stärken einen Prozess der gemeinsamen Exploration von KlientIn und
Helferin; erfahrene PraktikerInnen behalten nicht das letzte Wort darüber,
was KlientInnen brauchen, um ihr Leben zu verbessern. Viertens führt
ein Fokussieren auf Stärken die Praktikerin von der Versuchung weg,
KlientInnen für ihre Schwierigkeiten zu verurteilen oder zu tadeln.
Es führt die Praktikerin mehr dazu zu entdecken, wie KlientInnen ihr
Leben bis heute gemeistert haben - selbst unter schwierigsten Umständen.
Und fünftens enthält jede Umgebung - selbst die trostloseste
- Ressourcen." (DE Jong / Berg 1998, S.33)
-
Eigene Stärken zu entdecken,
heißt sich Fragen zu stellen, wie z.B. Was kann ich gut? Wo ist mir
etwas gelungen? Womit habe ich Erfolg gehabt? Wo haben mich andere gelobt,
bewundert, beneidet, .... Eigene Ressourcen zu entdecken, bedeutet, das
bisherige Leben nach Erfolgserlebnissen zu durchforsten.
-
Gerade das Erleben beruflicher
Belastungssituationen lässt die Teilnehmer von Supervisionsgruppen
oft an sich selbst zweifeln. Ressourcenorientierte Supervision ergeht sich
weniger darin, sich im Erleben schwieriger beruflicher Herausforderungen
zu baden. Vielmehr wird der Blick auf die Bedeutsamkeit der eigenen Person
gelenkt. Der Selbstwert als entscheidende Größe ist gefragt:
was lässt mich gut, wertvoll, einmalig, besonders, ..... sein? Was
von mir lässt mich die Herausforderungen überleben? Wo sind meine
Polster?
-
Ressourcen zu besitzen, heißt
auch, über brauchbare Vorstellungen verfügen, wie die Lösung
für ein Problem aussieht. O´ Hanlon / Beadle (1998) geben eine
Reihe von Anregungen, wie Kontakt zu den eigenen Ressourcen hergestellt
werden kann.
-
Erfahrungen von Ressourcen
hervorrufen: "Es ist wichtig, die KlientInnen nicht nur an Dinge zu
erinnern, in denen sie gut sind und die ihnen Freude machen, sondern ihnen
auch zu helfen, sich an das emotionale Erleben dieser Ressourcen anzukoppeln,
indem sie sehr genau über die Fähigkeiten, die Art wie sie die
Dinge bewerkstelligt haben, über ihr Zutrauen und über ihre Zufriedenheit
mit den Dingen, die sie getan haben, befragt werden." (O´ Hanlon
/ Beadle 1998, S. 67)
-
Abzweigungen finden:
"Zeiten, in denen KlientInnen sogar die kleinsten Veränderungen zum
Besseren bewerkstelligten, können auf Interventionsmöglichkeiten
verweisen. Das gilt auch für Zeiten, in denen KlientInnen Veränderungen
zum Schlechteren auf den Weg brachten. Beide Typen von Veränderungen
können uns etwas über die Dinge sagen, die das Problemmuster
aufbrechen." (O´ Hanlon / Beadle 1998, S. 68)
-
Problemfreie Zeiten finden:
"Wenn
wir Klienten bitten, sich Zeiten ohne das Problem vorzustellen, dann
-
helfen wir ihnen, ihren Kopf
mit Bildern und Assoziationen zu füllen, wie die Dinge gut laufen
-
verbinden wir sie wieder mit
den Fähigkeiten, die damals zum Tragen kamen
-
und setzen vielleicht einige
der mentalen und emotionalen Muster in Bewegung, die früher gut funktionierten."
(O´ Hanlon / Beadle 1998, S. 69)
-
Ausnahmen finden: nach
Zeiten suchen, in denen das Problem nicht auftaucht, wenn es nicht auf
die selbe Art und Weise auftaucht oder wenn es eine andere Reaktion der
KlientInnen darauf gibt. (O´ Hanlon / Beadle 1998, S. 70)
-
Kompetenzen finden: Wir
finden die Bereichen von KlientInnen, in denen sie Kompetenz, Interesse
und Freude erleben. Wir lassen sie diese Bereiche sehr detailliert beschreiben,
und heben sie besonders hervor bzw. bauen sie aus. (O´ Hanlon / Beadle
1998, S. 80)
-
Kompetenz ausweiten: Wir
helfen KlientInnen, ihre Kompetenz aus einem anderen Lebensbereich auf
den Problembereich zu übertragen
-
Suchen nach Kompetenzen der
Umgebung: Wer oder was kann noch helfen? Auf diese Weise durchforsten
wir unseren persönlichen und beruflichen Kontext nach Ressourcen,
auf die wir zurückgreifen können
2. Gedanken zum Begriff "Systemische
Supervision"
-
Unter Supervision wird an dieser
Stelle "eine professionalisierte Reflexions- und Beratungsform in berufsbezogenen
Zusammenhängen verstanden, in denen die Teilnehmer ihre Erfahrungen,
Fragestellungen und Konflikte thematisieren. Dabei werden sowohl persönliche
Rahmen- als auch kontextuelle Arbeitsbedingungen berücksichtigt. Durch
den kreativen Dialog aller Beteiligten, unter Leitung eines Supervisors,
werden die Ressourcen von Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen aktiviert
und genutzt."
-
Probleme hat man nicht, sondern
sieht bzw. konstruiert man! "Da es zu einem Problem immer jemanden gibt,
für den dieses Problem besteht, muss es letztlich auch immer seine
Entscheidung sein, wie die Lösung aussieht." (Herwig-Lempp, S. 266).
Supervisoren unterstützen die Supervisanden bei der Entwicklung ihrer
Lösung. Die Berücksichtigung verschiedener Grundsätze ist
dabei hilfreich. (Siehe Tabelle 1)
-
Systemische Supervision favorisiert
insbesondere folgende Prinzipien:
-
Supervision orientiert sich
an den Wünschen und Interessen der Klienten / Kunden.
-
Die Supervisanden verfügen
über spezifische Interessen / Fähigkeiten / Ressourcen.
-
Supervision bietet Reflexionsmöglichkeiten
und zielt nicht auf das Finden einer einzigen Lösung oder Sichtweise
ab.
-
Lösungsorientierte Supervision
schließt auf und nicht ab!
-
Es gibt nicht "die Lösung"!
Die Auswahl der "Lösung" aus den angebotenen Alternativen trifft der
Supervisand.
-
Supervision schafft neue Möglichkeiten.
3. Gedanken zum Begriff "Ressourcenorientierte
Supervision"
-
Es gilt die Ressourcen des Kunden
aufzuspüren mit Hilfe der Supervisionsgruppe: "Jeder und jede hat
einige Ressourcen wie Fähigkeiten, Fertigkeiten, Talente, Interessen,
bewundernswerte Charaktereigenschaften etc., die sich nutzen lassen, das
Problem zu lösen. Diese Ressourcen können allerdings unbemerkt
bleiben, wenn der Therapeut sich nicht darauf konzentriert, etwas über
sie herauszufinden." (Furman / Ahola 1996, S.175)
-
Dem Supervisanden wird fachliche
Kompetenz sowie Handlungs- und Entscheidungskompetenz unterstellt
-
Ressourcenorientierte Supervision
bedeutet, die Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen der einzelnen
Supervisionsgruppenmitglieder für alle zu erschließen.
-
Das Gegenüber wird ermutigt,
seinen Möglichkeitssinn - als Fähigkeit, die eigene Wirklichkeit
neu zu konstruieren - zu entwickeln bzw. wiederzuentdecken.
-
Supervision besteht nicht darin,
eine richtige Wirklichkeit zu konstruieren, bzw. eine Lösung zu finden,
sondern das breite Spektrum möglicher Perspektiven der Gruppenmitglieder
zum Tragen kommen zu lassen
-
"Die entscheidende Aufgabe von
Supervision ist die Förderung eines Austauschs, der die Erschließung
neuer Ideen und Sichtweisen sowie die Nutzung der vorhandenen Ressourcen
fördert und der dadurch alternative Handlungsoptionen ins Blickfeld
bringt." (Herwig-Lempp 1997, S. 269)
3. Entdeckung eigener
Ressourcen auf kreativem Weg
Im folgenden wird dargestellt,
wie das Ressourcen-Entdecken und -Nutzen im Seminar praktiziert wurde.
Der Einstieg in das Seminar
bildete die Frage "Welches sind meine Ressourcen als Schulpsychologe? Was
kann ich gut? Wie würden meine Klienten / Kunden diese Frage beantworten?"
Die Teilnehmer erörterten in Kleingruppen ihre Assoziationen. In neu
gebildeten Gruppen sollte folgende Frage reflektiert werden: "Wie helfe
ich mir bzw. was hilft mir, in einen guten Ressourcenzustand zu kommen?"
In einem nächsten Schritt
wurde versucht, mit den Teilnehmern in einer gelenkten Fantasie eine Wanderung
in ihre Vergangenheit zu unternehmen. Der im folgenden kursiv wiedergegebene
Text soll stichpunktartig die Stationen der Zeitreise charakterisieren:
Berufswahlentscheidung:
Gehe zurück in Deiner
Phantasie zu dem Punkt als Du Dich entschieden hast, Schulpsychologe zu
werden.
Wie hättest / hast du
diese Entscheidung gegenüber deinen Eltern / Geschwistern / Freunden
verteidigt? Welche Argumente fallen Dir dazu ein? Was hätten sie geantwortet?
Wie hättest Du dich in Deiner Entscheidung ihnen gegenüber gerechtfertigt
/ erklärt?
Was würden sie sagen,
wenn ich sie fragte, warum Du diese Entscheidung getroffen hast?
Welches war Deine erste
berufliche Erfahrung, wo Du gespürt hast: schön dass ich Schulpsychologe
geworden bin?
-
Was hast du dabei getan?
-
Welche Gedanken hattest Du dabei?
-
Welche Gefühle habe Dich
begleitet?
-
Gibt es Gedanken die Dir heute
noch nahe sind?
Welches waren Deine nächsten
Schritte bis heute?
In welche Richtung hast Du
Dich fortgebildet?
-
Themen
-
Themenwechsel
-
Referentenwahl und -ablehnung
-
Welche Erfahrungen prägen
Dich heute noch?
Was hat Deine weitere berufliche
Entwicklung damit zu tun? Gibt es Wiederholungen?
-
Was tust Du heute am liebsten?
-
Findest du Elemente aus Deiner
"ersten Zeit" immer wieder?
-
Welche Gedanken begleiten Dich
vor der nächsten Aktivität? ( bei der Vorbereitung?)
-
Welche Gedanke begleiten Dich
in Situationen, in denen Du unsicher wirst? Was tust Du dann?
-
Erkennst du Wiederholungen?
Versuche nun Querverbindungen
zwischen ...... herzustellen.
-
Wie lässt sich Deine Entwicklung
darstellen? (Hinweis auf die Materialien)
-
Welche Überschrift kannst
du für Deine berufliche Entwicklung finden?
-
Welche Sätze verbinden
dich mit Deiner Vergangenheit?
Vor der gelenkten Fantasie hatte
das Referententeam eine Reihe kreativer Gestaltungsmaterialien (Seidenpapiere
in unterschiedlichen Farben, Wollfäden, Schnüre, Steine, Holzklötze,
Puppen, Tierfiguren, Wachsmalkreiden, Materialien aus dem Moderationskoffer,
DIN-A-3-Blätter, ....) in der Mitte des Raumes so präsentiert,
dass diese nun von den Teilnehmern zur Rekonstruktion ihres bisherigen
Entwicklungsprozesses eingesetzt werden konnten.
Die Gestaltung fand statt
in einer ruhigen und konzentrierten Atmosphäre statt, wohl ein Zeichen
für die Intensität, mit der sich die Teilnehmer mit ihrem bisherigen
beruflichen Lebensweg auseinander setzten. Nach einem Austausch über
die Rekonstruktionen fand eine Aussprache im Plenum statt. Die Ergebnisse
/ Ressourcen wurden visualisiert:
Wie nehme ich mich wahr?
Welches sind meine Ressourcen? Was weiß ich über ihr Entstehen
und ihre Bedeutung in meinem Leben?
-
Zwischen Privat- und Berufsbereich
fand und findet ein steter Kraftaustausch statt, manchmal längere
Zeit einseitig => ich suche nach Kraftquellen, nach Ausgleich, nach Ausgewogenheit!
-
Mein Lebensweg ist sehr bewegt,
ist bunt => ich möchte in Bewegung bleiben, brauche die Vielfalt an
Herausforderungen!
-
Ich bin mit und durch andere
der geworden, der ich bin => ich brauche das Team, genieße den Rückhalt,
möchte weiter gemeinsam mit anderen zusammenwirken!
-
Ich hatte schon immer Lust am
Lernen und Lehren, bin neugierig => geistige Beweglichkeit ist mir wichtig,
ich möchte neugierig bleiben, andere neugierig machen, möchte
dauernd dazulernen!
-
Ich bin aufgewachsen mit der
Aufforderung: Du bist da, um anderen zu helfen ...! => Ich tue mir schwer
mit dem Neinsagen! Das kostet Kraft, gibt aber auch bei Erfolg Kraft zurück!
-
Ich habe schon immer viel improvisiert,
auch in der Musik, habe viel mit anderen ausprobiert => ich habe Lust zu
Risiko mit anderen, zur "konzertierten Improvisation"!
-
Ich stamme aus einer großen
Familie, war Schülersprecher, hatte schon immer eine soziale Ader,
wollte schon immer Hintergründe verstehen => Ich bin der geborene
"Helfer"!
-
Ich musste oft über zu
hoch gelegte Latten springen, habe es irgendwie geschafft, verspüre
Stärke und Stolz => Ich stärke jetzt andere, helfe ihnen, ihre
Latten angemessen hoch zu legen!
-
Ich musste viel kämpfen,
habe trotz mancher Widrigkeiten nicht aufgegeben und den Kopf nicht hängen
lassen => mein Lebensmotto lautet: Jetzt erst recht!
-
Ich folgte schon immer einem
Leitstern: meiner Intuition => Ich habe Vertrauen und vertraue anderen,
möchte ihnen helfen, Vertrauen zu entwickeln!
-
Ich habe einen langen Atem gebraucht,
habe gelernt, Geduld aufzubringen, Erfolge nicht zu erzwingen => Damit
bin ich erfolgreich - Lob der Langsamkeit!
Die lebensgeschichtlich erfolgreich
erlebten persönlichen Strategien der Interessensdurchsetzung und emotional
positiv besetzte Erfahrungen aus dem Zusammenwirken mit anderen bildeten
im wesentlichen die individuellen Denk- und Handlungsmuster der Seminargruppe,
die über die Zeit hinweg trotz aller weiteren beruflich - fachlichen
Erfahrungen stabil blieben. Die Übung trug somit zu einer Durchleuchtung
der Entstehungsgeschichte und der Konstanz persönlicher Ressourcen
bei.
4. Fragen führen
mich und meine Kunden zu neuen Fragen und damit zu den eigenen (bis dahin
verborgenen) Ressourcen
Fragen in systemischer Beratung,
Therapie und Supervision bewegen sich zwischen den Polen
|
Inhalt
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-
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Beziehung
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Problem
|
-
|
Lösung
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|
Bestätigung
|
-
|
Veränderung
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erste Position
|
-
|
Perspektivenwechsel
|
|
verallgemeinernd
|
-
|
sinnesspezifisch
|
|
abstrakt
|
-
|
konkret
|
|
einfach
|
-
|
komplex
|
|
logisch
|
-
|
paradox
|
Die Aufgabe des Supervisors
liegt darin, darauf zu achten, welche Seite ausgeblendet ist und gegebenenfalls
eine Balance herzustellen. Es sollte versuchen mit der Gruppe zwischen
beiden Polen zu pendeln.
Nachfolgende Tabelle versucht
die einzelnen Pole durch Fragen entsprechend zu charakterisieren.
Fragen in systemischer
Beratung / Supervision
Grundsätze:
-
Statt defizitorientierten Vorgehens
stellen wir kompetenzen- und ressourcenorientierte Fragen.
-
Statt vergangenheitsorientierter
stellen wir gegenwarts- und zukunftsorientierte Fragen.
|
|
Wir halten die Balance
zwischen
|
| Inhalt
Du hast es geschafft, so
lange mit dem Problem zu leben: was hat Dir dabei geholfen? |
Beziehung
Stelle Dir vor, Dein Problem
wäre Dein Freund? |
| Problem
Seit wann hast Du das Problem?
Wann tritt das Problem weniger
oft auf?
Wann war das letzte mal als
das Problem nicht auftauchte? |
Lösung
Woran würdest Du merken,
dass es gelöst ist?
Wie erklärst Du Dir,
dass es da nicht auftritt?
Wenn das Problem vorüber
ist, wer außer Dir wird noch dankbar sein? |
| Bestätigung
Was möchtest Du von
Dir und Deinem Verhalten auf jeden Fall bewahren? Woran möchtest Du
festhalten? |
Veränderung
Was könntest du anders
machen?
Was würde jemand anders
machen für den dies kein Problem darstellt? |
| 1.
Position
Welche Gedanken gehen Dir
in den problematischen Situationen durch den Kopf?
Was tust Du, wenn das Problem
da ist? |
Perspektivenwechsel
Stell Dir vor Dein Problem
wäre ein Glücksfall, ...
wirst Du in 5 Jahren auf
dieses Problem zurückschauen?
Wie würde Dein Schutzengel
Dein Problem beurteilen?
Was kannst Du tun, dass Dein
Problem noch schlimmer wird?
Angenommen ein Freund hätte
ein ähnliches Problem und würde Dich um Rat fragen. Was würdest
Du ihm empfehlen? |
| Verallgemeinernd
Wie würdest Du Leute
beurteilen, die so ein Problem haben? |
Sinnesspezifisch
Woran würde ich erkennen,
dass sich das Problem verringern würde?
Stell Dir vor, Du könntest
Dein Problem riechen: wie würde es riechen?
Stell Dir vor, Dein Problem
wäre ein Tier? Welches? Was würdest Du mit ihm machen? |
| Abstrahierend
Gibt es Situationen, in denen
das Problem nicht auftaucht? Was ist in diesen Situationen anders? |
Konkret
Kannst Du Deinem Problem
einen Spitznamen geben? |
| Einfach
Es gibt einige Probleme,
die Du angesprochen hast, welches möchtest Du zuerst angehen?
Du hast einige Probleme genannt,
welches hat Dir am meisten gebracht? |
Komplex
Wir wollen versuchen eine
kreative Möglichkeit zu finden. Wir könnten sogar etwas absurdes
tun? Was könnte es sein? |
| Logisch
Was würden Du am liebsten
machen, wenn Du dieses Problem hast?
Was fällt Dir in diesen
Situationen ganz automatisch ein?
Gibt es jemanden, der Dir
bei der Lösung Deines Problems überhaupt nicht hilft? |
Paradox
Was könntest du tun,
dass Dein Problem noch schlimmer wird?
Was müssten wir hier
tun, dass das Problem noch schlimmer wird?
Was könntest Du bei
diesem Problem profitieren?
Wie würdest Du es ihm
sagen, dass er Dir doch in irgendeiner Weise geholfen hat? |
Im Rahmen des Seminars wird
folgende Vorgehensweise gewählt:
-
Anstatt theoretische Ausführungen
über das Fragen zu referieren, demonstriert das Referententeam den
Einsatz sowie die Wirkung von Fragen. Eine Referentin stellt knapp ein
Problem dar, das von den anderen beiden Referenten durch Fragen aus den
unterschiedlichen Bereichen beleuchtet wird. Die Protagonistin gibt keine
Antworten auf die Fragen, sondern lässt sich eher durch die Frage
dazu stimulieren, neue Perspektiven einzunehmen. Abschließend gibt
sie und das Plenum Feedback, inwieweit die Fragen für hilfreich erschienen,
neue Optionen aufzuzeigen, wie in einer schwierigen Situation anders gehandelt
bzw. sie anders wahrgenommen werden kann.
-
Die oben dargestellte Übersicht
wurde den Teilnehmern als Fundgrube für mögliche Fragen vorgestellt.
-
Das Seminar teilte sich in drei
Gruppen auf, in denen nach folgender Struktur gearbeitet wird:
-
Finden eines Protagonisten:
Wer hat Lust die Ressourcen der Gruppe zu nutzen im Sinn einer Kurzsupervision
mit dem Schwerpunkt auf Perspektivenveränderung?
-
Knappe Falldarstellung durch
den Protagonisten
-
Partnerarbeit: jeweils zwei
Gruppenmitgliedern suchen zu den unterschiedlichen Begriffspaaren maximal
vier Fragen und notieren sie auf Zetteln.
-
die Fragen werden dem Protagonisten
vorgetragen, ohne dass dieser darauf antworten muss. Auf einen ruhigen
Vortrag, der dem Protagonisten Zeit lässt, die jeweilige Frage aufzunehmen,
wird geachtet.
-
Reflexion in den Kleingruppen
aus der Sicht des Protagonisten und der Gruppenmitglieder zu den Fragen:
Wie werden durch die Fragen Ressourcen aktiviert? Inwieweit gewinnen wir
so neue Perspektiven und entwickeln alternative Handlungsansätze?
Wie fließen die Ressourcen der Gruppenmitglieder in die Fragen ein?
5. Der Einsatz des Reflektierenden
Teams (RT): die Ressourcen anderer nutzen
Das "Reflektierende Team"
wurde von Tom Andersen (1990) in die therapeutische und supervisorische
Praxis eingebracht. Er sieht darin verschiedene Möglichkeiten, Ressourcen
zu nutzen: zum einen hilft es dem Supervisor wie auch der Supervisionsgruppe
dabei, eine Metaposition einzunehmen, aus der heraus eher ein Überblick
über die - evtl. durch die Problemblindheit verdeckte - Zusammenhänge
zu gewinnen ist. Das RT hilft dabei, Abstand zu gewinnen. Das RT stellt
dem Supervisor sowie der Supervisionsgruppe Ressourcen zu Verfügung.
Durch das Einbringen der eigenen Sichtweisen, Wahrnehmungen, Fragen, Überlegungen,
Fantasien, ... wirkt es stimulierend auf den weiteren Supervisionsprozess.
Der Einsatz von RTs wurde von systemisch arbeitenden Supervisoren auf vielfältige
Weise weiterentwickelt und variiert: die Einnahme von "Reflektierenden
Positionen" durch Mitglieder des RTs (Rollenvorgaben wie z.B. die Rolle
des Narren, der Weisen, der Gerechtigkeitshüter und der Guten Geister
des Mutes und des Positiven) (BRANDAU / SCHÜERS 1995, S. 56) unterstützen
die Supervisionsgruppe durch konfrontierende und auch stärkende sowie
unterstützende Kommentare. Bei der Methode des Iterativen Reflecting
Teams (DAHM & BE 2000, S. 63 - 74)) reflektiert das RT in kurzen Abständen
häufiger das von der Supervisionsgruppe Gesprochene und lässt
dabei den Supervisanden die Richtung bestimmen, in der reflektiert wird.
"Das IRT ermöglicht die Entwicklung von Lösungen, bei der der
Kunde das Team - einem Navigationssystem ähnlich - durch die Vielzahl
verschiedener Betrachtungs- und Reflexionsebenen geleitet.. Der Kunde ist
richtungsweisend im reflexiven Dialog. "Verirrt" sich das Team in seinen
Reflexionen, so kann und soll er modifizierend eingreifen. Der Kunde navigiert
durch den Prozess." (DAHM & BE 2000 , S. 67)
Im vorliegenden Seminar wird
das reflektierende Team auf folgende Weise eingesetzt:
Die Teilnehmer des RT wurden
auf unterschiedlichen Ebenen aktiv:
Sie äußern ihre
Wahrnehmungen und Überlegungen zu der Situation, wie sie vom Supervisanden
dargestellt wird. Dieser benutzt zur Verdeutlichung seiner Ausführungen
das Beziehungsbrett, wie es von Uwe Grau beschrieben ist. (Siehe Anhang!)
Andererseits reflektieren
und kommentieren sie Prozesse innerhalb der Supervisionsgruppe sowie das
Verhalten des Supervisors.
Das RT unterbricht den Supervisionsprozess
an vorher vereinbarten Punkten. Nachfolgende Übersicht verdeutlicht
den Wechsel zwischen Supervisionsgruppe und Reflektierendem Team.
| Reflektierendes
Team (RT) |
Supervisionsgruppe
(SG) |
| |
1.
Darstellung einer aktuellen Konfliktsituation durch einen Teilnehmer (Supervisand)
2. Nachfragen (Interview)
3. Eindrücke und Gefühle |
| Gespräch
des RT über den bisherigen Prozess in der SG
z.B.:
- Auf welche Sachverhalte
ist die SG besonders eingegangen?
- Welche anderen Punkte
hatte sie im Auge?
- Welche Stimmung hat
sie gespürt? Wo konnte sie mitschwingen? Wo hat sie anders gefühlt? |
|
| |
4.
Diskussion und Phantasien |
| Gespräch
des RT über die Problemanalyse
Wie wurden
- die Personen
- die Interaktionen
- die Rahmenbedingungen
berücksichtigt? |
|
| |
5.
Feedback durch Supervisanden
6. Abschluss
(Gemeinsame Entwicklung
von Problemlösungsstrategien durch den Supervisanden und die Supervisionsgruppe) |
Feedback zum Gesamtprozess
durch SG und RT
|
Vor dem Aufteilen des Seminars
in einzelne Supervisionsgruppen, die nach der in der Übersicht dargestellten
Vorgehensweise Supervisionssitzungen durchführen, wird das Beziehungsbrett
in seinen unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten vorgestellt.
Es wird als eine Möglichkeit
der Veranschaulichung von Beziehungsstrukturen und als Anregung zur Metareflexion
eingeführt:
-
Das Beziehungsbrett ermöglicht
es dem Supervisanden, seinen Fallbericht durch die Verwendung von Holzfiguren
auf einem Spielbrett, das durch ein konzentrisches Quadrat in einen inneren
und äußeren Bereich geteilt ist, zu veranschaulichen und das
berichtete Geschehen aus einer Metaposition zu betrachten. Dabei kann er
die eigene Position in dem berichteten Prozess quasi von außen aus
einer Beobachterposition heraus betrachten.
-
Dabei gelingt es ihm häufig,
das Verhältnis (Nähe / Distanz) zu den für ihn in seinem
Fallbericht eingeführten Personen zu demonstrieren und zu realisieren.
-
Interaktionsstrukturen werden
auf diese Weise transparent sowohl für den Protagonisten als auch
für die Supervisionsgruppe.
-
Das Beziehungsbrett ermöglicht
auch die Darstellung des inneren (Schulz von Thun, Bd. 3) Dialogs, indem
die Figuren die unterschiedlichen inneren Stimmen einer Person repräsentieren.
-
Das Brett gibt auch oft die
Gelegenheit, eigene Ressourcen zu entdecken. Durch den Blick auf das Geschehen
aus der Vogelperspektive werden Handlungsspielräume (wieder)gefunden,
die aufgrund der Verwicklung in der Realsituation nicht gesehen wurden.
-
Perspektivenwechsel gelingt
in dieser Modellwirklichkeit eher. Der Supervisand kann das Brett drehen,
kann aufstehen und um das Brett herumgehen und das dargestellte Geschehen
aus den verschiedensten Blickwinkeln wahrnehmen.
-
Dieses Vorgehen regt zu neuen
Fragen an, die sich der Berichterstatter oder die Supervisionsgruppe stellen.
So ermuntert es insbesondere zur Verwendung zirkulärer Fragen.
Nach dieser Einführung
in die Verwendung des Beziehungsbretts teilt sich das Gesamtseminar in
einzelne Gruppen auf (jede Gruppen splittet sich wiederum in Supervisionsgruppe
und RT auf), in denen die Teilnehmer selbst Supervisionssitzungen durchführen
und den Nutzen des Beziehungsbretts sowie die Wirkung des Einsatzes des
RTs realiter erfahren.
Folgende Ablaufstruktur wird
gewählt:
-
Kurze Falldarstellung durch
ein Gruppenmitglied, die durch Fragen aus der Supervisionsgruppe ergänzt
wird.
-
Das RT gibt Feedback.
-
Die Supervisionsgruppe arbeitet
unter Berücksichtigung der Anregungen aus dem RT weiter.
-
Der Supervisand gibt Rückmeldung.
-
Gemeinsam wird nach Lösungen
gesucht.
-
Gesamtreflexion unter besonderer
Berücksichtigung des Beziehungsbretts sowie des "Reflektierenden Teams"
Für das Feedback wird die
Einhaltung folgender Regeln als sinnvoll und hilfreich unterstrichen:
Richtlinien für Feedback
-
Kommentare sollten eher positiv
formuliert sein; negative (Schuld-) Zuschreibungen sind eher ungünstig.
-
Ideen werden vorsichtig präsentiert
mit Einleitungen wie: möglicherweise ....., ich könnte mir vorstellen
..., vielleicht ....
-
Kommentare beziehen sich auf
verbale und nonverbale Kommunikation
-
Reflexionen sollten die beiden
Seiten eines Dilemmas enthalten: vom entweder - oder zum sowohl - als auch
-
Lieber einen "bunten Strauß"
von Ideen als eine einzige "korrekte" Interpretation.
-
Die Kommentare sollten sich
auf das beziehen, was vorher besprochen wurde.
-
Kommentare können in Form
von Metaphern oder Geschichten präsentiert werden.
-
Der Kontext (Klasse, Schule,
Schulaufsicht, Hierarchie in der Schule, ....) sollte Berücksichtigung
finden.
Besonderer Wert wird auf die
Berücksichtigung folgender Grundsätze gelegt, um eine die unterstützende
Funktion des RT zu begünstigen.
Im anschließenden Gespräch
berichten die Teilnehmer, dass insbesondere folgende Themen bearbeitet
wurden:
-
Teamkonflikte in Beratungsstellen
-
Schwierige Beratungsprozesse
-
Kollegiumsinterne Konflikte
betreuter Schulen
-
Persönliche Problemstellungen
(Burnout, Entscheidungskonflikte, ...)
-
Ringen um schulpsychologische
Berufsidentität
-
Führungs- und Leitungskonflikte
In ihrer Rückmeldung wird
das Beziehungsbrett als wichtige methodische Bereicherung der Supervisionsarbeit
unterstrichen:
-
Es ist ein hilfreiches Mittel
für Supervisand und Supervisor die Realität in das Supervisionsgeschehen
einzubeziehen.
-
Es wird als Stimulans erlebt,
Fragen zu artikulieren. Diese wiederum werden als bedeutsam erfahren für
die Entdeckung eigener Ressourcen.
Das Beziehungsbrett stellt
einen hervorragenden Anreiz dar, Lösungen zu entwickeln und durchzuspielen.
Es führt weg von einer Orientierung an der Problemvergangenheit und
lädt ein zum Experimentieren hart an der Wirklichkeit.
6. Gesamtrückmeldung
zum Seminar unter besonderer Würdigung der Ressourcen-Orientierung
Der kreative Einstieg stellt
eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, den Bezug zur eigenen persönlichen
und beruflichen Entwicklung. zu finden. Die Entdeckung, dass sich die eigenen
Stärken wie ein "Roter Faden" durch den beruflichen Werdegang ziehen,
wird von den Teilnehmern als bedeutsam bezeichnet. Sie sind erstaunt über
die entdeckte Vielzahl persönlicher Ressourcen.
Der Teil des Seminars, bei
dem sich alles um Fragen dreht, wird als entlastend erlebt: Die Teilnehmer
berichten davon, in ihrem beruflichen Alltag viel zu häufig nach Antworten
zu suchen. Eine kreative Frage erscheint in diesem Seminar als beste Lösung.
Fragen führen weniger zu Antworten sondern zu neuen Fragen. Fragen
stehen lassen zu dürfen, so meinen einige Teilnehmer, entlastet. Auch
werden Fragen als Erweiterung des eigenen Horizonts erlebt: sie schließen
nicht ab sondern eher auf. Schließlich erleben es die Teilnehmer
als lustig bzw. humorvoll, sich gegenseitig durch Fragen zu stimulieren.
Das Beziehungsbrett wird als Impuls erlebt, neue Möglichkeiten zu
denken. Reflektierende Teams haben weniger die befürchtete Funktion
eines kritischen Beobachters als vielmehr die einer stützenden und
anregenden Größe.
Insgesamt erleben die Teilnehmer
den Wechsel der Arbeitsformen während des Seminars, die Abwechslung
zwischen Einzelarbeit, Kleingruppenarbeit und Plenum sowie den Wechsel
zwischen kreativen und eher reflexiven Phasen als anregend und als Ermutigung,
Zugang zu eigenen Ressourcen zu finden.
Literatur:
K. Berg / N. H. Reuss (1999).Lösungen
- Schritt für Schritt. Handbuch zu Behandlung von Drogenmissbrauch.
Dortmund: verlag modernes lernen
K. BETSCHER, / C. BETSCHER,
(1998). Ressourcenorientierte Supervision. Workshop anlässlich der
13. Bundeskonferenz für Schulpsychologie 1998 in Halle "Lebensraum
- Lebenstraum - Lebenstrauma Schule"
H. BRANDAU /W. SCHÜERS
(1995). Spiel- und Übungsbuch zur Supervision. Salzburg: Otto Müller
Verlag
M. DAHM & S. BE (2000):
Auf den Punkt gebracht - das Iterative Reflecting Team. In: M. l. Vogt-Hillmann,
W. Eberling, M. Dahm, H. Dreesen (Hrsg.): Gelöst und los! Systemisch-lösungsorientierte
Perspektiven in Supervision und Organisationsberatung. Dortmund: borgmann
publishing
C. Enders / H. Meidinger
/ R. Storath (1998) Warum sind wir die Schulpsychologen, die wir jetzt
sind? - Welche Dinosaurieranteile tragen wir in uns? Können oder ollen
wir unsere Denkmuster ändern? In: C. Enders / C. Hanckel / S. Möley
(Hrsg.). Lebensraum - Lebenstraum - Lebenstrauma Schule. Kongressbericht
der 13. Bundeskonferenz 1998 in Halle an der Saale. Bonn: Deutscher Psychologen
Verlag GmbH
Ben Furman / Tapani Ahola
(1996). Die Kunst, Nackten in die Tasche zu greifen. Systemische Therapie:
vom Problem zur Lösung. Dortmund: borgmann publishing
UWE GRAU / J. HARGENS (1997).
Mikropolitik unterschiedlicher Schultypen und interaktionistische und systemische
Positionen und Interventionsstrategien in der schulischen Supervision.
Fortbildung für Supervisoren / -innen mit Zertifikat. Dillingen: Akademie
für Lehrerfortbildung
Klaus Grawe (1995). Grundriss
einer Allgemeinen Psychotherapie. In: Psychotherapeut (1995) 40: S. 130
- 145
J. HERWIG-LEMPP (1997). Die
Ressourcen der Teilnehmer nutzen - Handwerkszeug für die systemische
Supervision in der Gruppe. in: Familiendynamik 22 / 1997. S. 264 - 287
P. D. Jong / I. K. Berg (1998).
Lösungen (er-)finden - Das Werkstattbuch der lösungsorientierten
Kurztherapie. Dortmund: verlag modernes lernen
BDP (1996). Leitantrag zur
Supervision der Delegiertenkonferenz des BDP am 16./17.11.96
Bill O´Hanlon, Sandy
Beadle (1998). Das wär' was! Ein Wegweiser ins Möglichkeiten
- Land. Dortmund: borgmann publishing GmbH
J. L. Walter / J. E. Peller
(1996). Lösungsorientierte Kurztherapie - Ein Lehr- und Lernbuch.
Dortmund: verlag modernes lernen
Anhang:
Uwe Grau: Beraten nach dem Kieler Beratungsmodell
(1997)
Anleitung zur Arbeit mit dem Beziehungsbrett
Ich möchte vorschlagen,
dass wir gemeinsam Ihre Situation einmal auf dem Brett, das ich hier habe,
betrachten. Wir nennen es Beziehungsbrett, weil man auf diesem Brett Beziehungen
darstellen kann. Es hat einen Innenraum und einen Außenraum. Man
könnte auch sagen, es ist das Brett, das Ihre Welt bedeutet (in Anlehnung
an Goethe: Die Bretter, die die Welt bedeuten), und für Ihr Thema
möchte Sie jetzt bitten, auf diesem Brett Ihre Personen, die bedeutsam
sind, aufzustellen.
Dazu habe ich hier Klötze;
es sind große eckige, große runde, kleine eckige, kleine runde
und dann gibt es noch drei farbige, die sind eckig sind (dabei die einzelnen
Figuren zeigen). Die Figuren haben Augen und eine Nase, aber keinen Mund.
Sie können nicht sprechen und sie schauen uns ausdrucksvoll ausdruckslos
an. Da sie nicht sprechen können, bitte ich Sie, dass Sie für
Ihre Figuren, Ihre Personen sprechen.
Ich bitte Sie jetzt, Ihre
Personen, die bedeutsam sind für die Situation, hier auf dem Brett
aufzustellen. Die Figuren können nahe beieinander stehen oder weit
auseinander stehen, entweder im Innenraum oder am Rand ins Außenraum
(mit zwei Klötzen (dabei auf dem Breit einige Positionen demonstrieren).
Was bedeutet es nun, wenn Figuren nahe beieinander stehen oder weit auseinander
stehen oder wenn zwei Figuren sich anschauen oder nicht anschauen und abgewendet
sind. Das kann sehr unterschiedliche Bedeutungen haben. Was es in Ihrer
Situation bedeutet, das wissen nur Sie. Und ich muss Sie dann fragen, und
ich werde auch neugierig sein und Sie während des Aufbaues fragen,
was es für Sie bedeutet. Sie verleihen also als Regisseur den Figuren
Ihre Bedeutung und machen Sie zu Persönlichkeiten. Ich bitte Sie,
während Sie die Figuren auf dem Brett aufstellen, etwas zu den Figuren
zu sagen und das, was Ihnen im Kopf herumgeht, zu sagen, also ,,laut zu
denken.. Ich werde mir gemeinsam mit Ihnen anschauen, wie auf diesem Brett
Ihre Situation entsteht nur werde neugierige Fragen stellen, auf die Sie
antworten können. Und dann ist noch wichtig für mich: Es sind
Ihre Personen, die auf diesem Beziehungsbrett stehen, und ich werde sie
nicht anrühren. Es ist lhre Welt. Ich werde nur Ideen äußern,
die Sie ausprobieren können, wenn Sie wollen. Und zum Schluss werde
ich Sie bitten, Ihre Figuren auch wieder einzupacken. Es ist Ihr Thema,
Ihr Stück, das Sie als Regisseur auf dem Brett in Szene setzen.
(Während der Aufstellung
nochmals den Kunden ermuntern, seine Gedanken, Ideen, alles, was ihm einfällt
beim Aufbauen, zu äußern und während des Aufbaues schon
einige Fragen stellen, z. B. wie die Figuren heißen, evtl. bei Vertraulichkeit
könnte ein Name erfunden werden. Die Figuren nicht berühren,
sondern Ideen über eine andere Konstellation äußern und
es dem Kunden überlassen, ob er sie ausführt, z. B. Zurückgehen
in die Vergangenheit oder Fortschreiten in die Zukunft oder Positionswechsel
einer Figur. Evtl. ist es auch angebracht, die eigene Position zum Brett
als Beobachter zu verändern, aufzustehen sind auf die andere Seite
des Brettes zu gehen und auch dem Kunden vorzuschlagen, die Szene aus einer
anderen Perspektive zu betrachten.
Es hat sich als günstig
erwiesen, das Brett auf einem niedrigen Tisch aufzubauen, sodass der Kunde
angeregt wird, seine Situation aus der Vogelperspektive zu betrachten und
damit in noch stärkerem Maße zum Beobachter seiner selbst und
der Situation zu werden.
Situationen, die für
das Beziehungsbrett geeignet sind, können einmal sein: Soziale Situationen,
an denen mehrere Personen beteiligt sind. Hier ist es besonders vorteilhaft,
das Beziehungsbrett heranzuziehen, wenn die Situation bezüglich der
Person für den Interviewer unübersichtlich zu werden droht. Weiter
besteht auch noch die Möglichkeit, mehrere Anteile des Kunden selbst
zu personifizieren und auf dem Brett deutlich zu machen.)

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Der Autor
Hermann Meidinger
-
Dipl.-Psych.
-
Tätigkeitsschwerpunkte:
Supervision von Lehrern, Beratungslehrern, Kollegien, Schulleitungen und
Schulaufsicht; Gesprächsführung für Lehrer und Führungskräfte,
Führungsseminare für Schulleitungen und Schulaufsicht; Arbeit mit
Lehrerkollegien und Schulleitern im Sinn von Organisationsentwicklung;
Burnout-Prävention
-
Kontakt:
Kolpingstraße 5a
86504 Merching
Tel.: 08233/31555
Staatliche Schulberatungsstelle für Schwaben
Hallstraße 9
86150 Augsburg
Tel.: 0821/509160
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eMail: Meidinger.Hermann@t-online.de
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Veröffentlichungsdatum: 18. Februar 2002
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