Editorial zum FestNetz
von Heinz J. Kersting und Georg Nebel
und der Redaktion des Online Journals für systemisches Denken und Handeln "Das gepfefferte Ferkel"
und vom Institut für Beratung und Supervision Aachen
Wieder dürfen wir im Online-Journal für systemisches Denken und Handeln "Das gepfefferte Ferkel" einen unserer Beiräte mit einem FestNetz ehren. Wir setzen damit die im Januar 2002 in unserem Online-Journal begonnene, schöne akademische Tradition fort, dass runde Geburtstage von bedeutenden Professorinnen und Professoren uns zum Anlass dienen, Festschriften zu produzieren. Diesmal ehren wir mit dieser Festschrift zusammen mit dem Institut für Beratung und Supervision den akademischen Lehrer, Prof. Dr. Jesús Hernández Aristu zu seinem 60. Geburtstag am 1. September 2003.
Jesús Hernández Aristu ist seit 1991 an der 1987 gegründeten Universidad Publica de Navarra Professor im Departamento Trabajo Social. Er ist der erste in Spanien für das Fachgebiet Soziale Arbeit zum Universitätsprofessor ernannte Kollege. In Spanien wird Soziale Arbeit als Universitätsfach gelehrt.
Vorher war Jesús Hernández Aristu von 1983 bis 1988 Dozent an der Fachschule für Sozialpädgogik in Pamplona und von 1988 bis 1991 Direktor der Escuela Universitaria de Trabajo Social in Pamplona, die inzwischen in die Universität aufgegangen ist. Etwa 20 Jahre lebte, studierte, arbeitete und lehrte Jesús in Deutschland. Zunächst war er Priester im Bistum Aachen, später dann Beauftragter der spanischen Bischöfe für die spanischen MigrantInnen in Bonn. In dieser Zeit gründete er zusammen mit Landsleuten den spanischen Elternverein. Er studierte 1972 bis 1975 an der Pädagogischen Hochschule Rheinland in Aachen (diese Hochschule wurde später ein Teil der Rheinisch-Westfälischen-Hochschule Aachen) Erziehungswissenschaft und schrieb eine viel beachtete Diplomarbeit über die Pädagogik und Philosophie von Paulo Freire, die als Buch auf deutsch und spanisch publiziert wurde. Bevor Jesús Hernández Aristu nach dem Ende der Franco-Zeit in seine Heimat Navarra zurückkehrte, lehrte er Sozialpädagogik an der Universität Siegen.
Da man in Spanien sein deutsches Diplom nicht anerkannte, erwarb er noch das Lizenziat in Pädagogik. Danach promovierte er über Soziale Arbeit und Kommunikation an der berühmten Jesuitenuniversität Deusto in Bilbao.
Jesús Hernández Aristu ist ein Mann der Kommunikation. Kommunikation ist das Zentrum seiner Lehre und seiner Veröffentlichungen. Er selbst ist ein Meister der Kommunikation. Er weiß über Grenzen, Kulturen, Sprachen und Mentalitäten hinweg Verbindungen zu knüpfen und diese als Netze zu pflegen. So hält er auch nach seinen "Lern- Lehr- und Wanderjahren", die er in Deutschland verbracht hat, regen Kontakt mit seinen FreundInnen und KollegInnen in Deutschland. Viele von ihnen besucht er regelmäßig und lädt sie ein in sein gastfreies Haus in Larraya und fordert sie auf zur Mitarbeit in den Veranstaltungen der Universität in Pamplona und der Weiterbildungsgesellschaft Mitxelena in Larraya.
Eine Reihe von alten FreundInnen, KollegInnen und SchülerInnen aus Deutschland gratulieren ihm darum im FestNetz persönlich.
Mit dem Institut für Beratung und Supervision (IBS) ist Jesús Hernández Aristu seit 1985, dem Gründungsjahr des Instituts, verbunden. Er ist seit langem Dozent in der Weiterbildung Supervision und hat viel zur Entwicklung des Instituts beigetragen. Für ihn ist das IBS ein Ort der Freiheit und des selbstbestimmten Lernens. Das brachte er zum Ausdruck, als er dem Institut zum zehjährigen Bestehen 1995 ein Modell der "Freiheitsstatue" Navarras überreichte. So wie Navarra durch die Jahrhunderte hindurch seine Autonomie bewahrt hatte, erhoffte er es für die Zukunft des Instituts für Beratung und Supervision in Aachen. Selbstverständlich lud er MitarbeiterInnen des Instituts ein, in Navarra in der Weiterbildung von SupervisorInnen und OrganisationsberaterInnen in der Asociacion Mitxelena, bei gemeinsamen Forschungsprojekten und auf Kongressen, die die Universidad Publica de Navarra veranstaltete, mitzuarbeiten. So entstand inzwischen ein tragfähiges Netz zwischen dem Rheinland und Navarra. Bei der Gründung der spanischen Gesellschaft für Supervision (ISPA) durfte der Wissenschaftliche Direktor des IBS beratend mitwirken. Die junge Gesellschaft ernannte Heinz Kersting im Jahre 2002 zum ersten Ehrenmitglied der ISPA.
Das Institut für Beratung und Supervision dankt aus ganzem Herzen und ist glücklich über diese gelungene internationale, vor allem aber menschliche Zusammenarbeit. Lieber Jesús, du warst immer bereit, deine reiche Erfahrung mit uns zu teilen und hast uns stets ermutigt, auch gewagte Unternehmen in die Tat umzusetzen.
Von der Verbindung zwischen dem IBS und Jesús Hernández Aristu profitierte auch ein weiterer Kooperationspartner des Instituts, der Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Das Netz wurde dadurch größer und stärker und so profitierten wir wechselseitig alle von einander.
Die erste Zusammenarbeit war das TEMPUS-Projekt SWEEL (Social Work Education on a European Level), das die Hochschule Niederrhein, die Universidad Publica de Navarra und das IBS 1990 gemeinsam beantragten. Ziel des Projektes sollte sein, zusammen mit der Pädagogischen Hochschule in Esztergom in Ungarn erstmalig in der Geschichte des Landes die Ausbildung und den Beruf der Sozialen Arbeit einzuführen. Tatsächlich genehmigte die Europäische Union unseren Antrag und förderte diese Arbeit drei Jahre (1991 bis 1994) lang mit einem Zuschuss von insgesamt 750.000 ECU. In diesem Projekt erlebte unsere Zusammenarbeit einen besonderen Höhepunkt, was die Häufigkeit des Zusammentreffens in Deutschland, Ungarn und Navarra angeht.
Das TEMPUS-Projekt begründete auch die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der Universidad Publica de Navarra und der Hochschule Niederrhein, die sich auf alle Fachbereiche und Fakultäten der beiden Hochschulen erstreckt und die bis heute einen regen Austausch von DozentInnen und StudentInnen zur Folge hat. Jesús Hernández Aristu ist seit Bestehen dieser Partnerschaft 1996 der Beauftragte der Universidad Publica de Navarra für die Zusammenarbeit zwischen den beiden Hochschulen.
Ein weiteres Ergebnis dieses TEMPUS-Projektes ist das Netzwerk der europäischen Fachbereiche Soziale Arbeit, in dem Jesús Hernández Aristu eine treibende Kraft ist. In jedem Jahr veranstaltet dieses Netzwerk seit 1994 neben anderen Aktivitäten ein European Social Work Symposium. Das Departamento Trabajo Social hat bereits zweimal zu solchen Symposien nach Pamplona eingeladen. Jesús Hernández Aristu war jedes Mal der Kongresspräsident und Organisator des jeweiligen Symposiums. Im November 2003 findet das IX. Symposium in Mönchengladbach statt. Inzwischen gehören zu diesem Netzwerk neben der Universidad Publica de Navarra und der Hochschule Niederrhein (Department of Social Work and Management, Niederrhein University of Applied Sciences) die niederländische Hogeschool van Arnhem und Nijmegen, die italienische Universitá degli Studi di Perugia, die finnische Laurea–Ammattikorkeakoulu, die englische University Bournmouth, die ungarische Szécheny István University Györ, die dänische Paedgogiske Unversitet, die tschechische Ostravská Unverzita und die russische Astrakhan State Technical University.
Jesús Hernández Aristu ist, wie es sich für einen Professor gehört, eine eifriger Forscher. Er ist ein gesuchter Berater in der Sozialen Arbeit, von Organisationen und in der Politik. Er veröffentlicht rege auf Deutsch und Kastilisch. Außerdem ist er ein Familienmensch und lebt mit seiner wunderbaren Frau Tine aus Belgien, der Tochter Oihana und dem Sohn Matias in einem alten Adelshaus vor den Toren von Pamplona. Dieses gastliche Haus ist offen für viele Menschen, die als Lernende, Ratsuchende oder als Pilger auf dem Jakobsweg vorbeikommen. Es ist offen für die FreundInnen der Familie. Es ist ein Ort der Besinnung, der Gastfreundschaft und des Feierns.
Darüber hinaus freut sich die Redaktion natürlich besonders, mit Jesús Hernández Aristu auch ein Mitglied des wissenschaftlichen Beirats unseres Internet-Journals "Das gepfefferte Ferkel" zu ehren, der bereits sehr viele wissenschaftliche Beiträge für unser Journal verfasst hat und der Redaktion mit Rat und Tat zur Seite steht.
Die Redaktion hat mit der Festschrift ein "FestNetz" ausgelegt, das offen ist, und jede und jeden einlädt, mit weiteren Artikeln und/oder Glückwünschen (geschrieben, gezeichnet, fotografiert oder komponiert) zur Ehre von Jesús Hernández Aristu beizutragen. Wir bitten Sie, die Beiträge an Heinz Kersting zu schicken. Es handelt sich um ein offenes Netz, an das weiter angeknüpft werden kann. Einige Beiträge sind auch noch angekündigt, aber wegen der Ferienzeit noch nicht eingetroffen.
Das Institut für Beratung und Supervision in Aachen hofft, dass wir noch viele Jahre wie bisher mit Jesús Hernández Aristu zusammen arbeiten werden. Die Redaktion des Online-Journal für systemisches Denken und Handeln "Das gepfefferte Ferkel" dankt Jesús für seinen gerne gegebenen Rat und seine Beiträge. Sie wünscht viel Glück, Gesundheit, Freude und weiterhin viel Schaffenskraft.
Für das Institut für Beratung und Supervision
Georg Nebel,
Geschäftsführender Direktor des Instituts
Für die Redaktion des Online-Journals für systemisches Denken und Handeln "Das gepfefferte Ferkel"
Heinz J. Kersting, Schriftleiter des Online-Journals
Aachen, den 1. September 2003
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