(September 2003)

"Ich bin nicht beeindruckt"

Ein Nachruf auf Mai von Foerster (1914-2003)

von Monika Bröcker

Das große Lalula

Kroklokwafzi? Semememi!
Seiokrontro - prafriplo:
Bifzi, bafzi; hulalemi:
quasti basti bo ...
Lalu lalu lalu lalu la!
Hontraruru miromente
zasku zes rü rü?
Entepente, leiolente
klekwapufzi lü?
Lalu lalu lalu lalu 1a!
Simarar kos malzipempu
silzuzankunkrei (;)!
Marjomar dos: Quempu Lempu
Siri Suri Sei []!
Lalu lalu lalu lalu la!

Christin Morgenstern



Mai Stürmer und Heinz von Foerster haben sich 1939 auf einer Silvesterparty kennengelernt, die von Mai veranstaltet wurde. Heinz' Cousin Martin Lang, der in Künsterkreisen verkehrte, kannte Mai, die schöne Schauspielerin, und war zu dieser Party eingeladen. Er sagte zu Heinz: "Vielleicht lädt sie dich auch ein. Zu dumm jedoch, dass du nur ein Physiker bist. Damit sie weiß, dass du trotzdem etwas kannst und weißt, stelle dich auf deine Hände und begrüße sie so." Gesagt – getan. Heinz und Martin kamen vor der Wohnung der Gastgeberin an und läuteten die Glocke. Mai öffnete die Türe und sagte: "Guten Tag. Kommen Sie herein." Heinz ging auf den Händen in die Wohnung. In der Wohnung angekommen sagte Martin: "Okay, Heinz, du kannst dich wieder aufstellen." Das Erste was Mai sagte, als sie Heinz in die Augen blickte, war: "Ich bin nicht beeindruckt."

In einer späteren Unterhaltung auf dem Rattlesnake Hill, in der diese Begegnung erzählt wurde, sagte Mai zur Erheiterung aller Anwesenden. "Und das bin ich immer noch nicht."

Mai war zu der Zeit, als sie Heinz kennenlernte, verlobt. Ihr Verlobter musste auf eine Konferenz oder irgend woandershin fahren. So sagte er zu Heinz: "Pass du auf sie auf, so dass sie auf keine dummen Gedanken kommt und etwa andere Männer kennenlernt. Für dich, einen Physiker interessiert sie sich ganz bestimmt nicht." Ein paar Tage später holte Heinz Mai bei ihr zu Hause an und fragte sie: "Was würdest du am liebsten tun?" Mai sagte: Am liebsten würde ich schwimmen gehen." So packten die beiden ein paar Sachen ein und fuhren mit einer Bahn enlang der Donau flussaufwärts. Auf alten Autoschläuchen ließen sie sich die Donau heruntertreiben. Für Mai, die eine gute Schwimmerin war, war dies eine große Freude. Heinz berichtet, dass er, als "Bergmensch", beladen mit allen Kleidern und Gepäck weit hinter Mai, immer wieder Wasser schluckend dabei fast ertrunken wäre. Irgendwo weiter abwärts des Flusses machten die beiden ein Picknick und unterhielten sich so angeregt, dass sie den letzten Zug nach Hause verpassten und am Fluss übernachten mussten. Der Rest ist die über 60 Jahre lange Geschichte einer Zweisamkeit, eines Zu-zweien-Seins. Mai war Teil der Welt von Heinz so wie Heinz ein Teil von Mais Welt war.

Später einmal fragte ich oder einer der anderen Gäste Mai, woher sie wusste, dass Heinz der richtige Mann für sie war. Sie antwortete: "I knew that he would never let me down. I knew I could always trust him." Heinz, die beiden anderen Gäste, Paul und Beverly, und ich waren alle sehr gerührt von dieser Aussage.

Heinz sagte: "Ich sollte auf sie aufpassen. Das mache ich noch heute."

Gerne berichtete Mai, wie Heinz zu seinem Spitznamen "Hase" kam. Zu ihrem ersten Weihnachtsfest im Jahre 1939 hatten sie nur ein Ornament für den Weihnachtsbaum: Einen kleinen Stoffhasen. Dieser Stoffhase hing seither jedes Jahr am Weihnachtsbaum und Heinz wurde zum Hasen.

Ich erinnere mich gern an viele schöne Stunden mit Mai zurück. Besonders gerne erinnere ich mich an viele schöne Spaziergänge mit Mai und Heinz auf dem Rattlesnake Hill. Auch erinnere ich mich gerne an viele Abende, an denen Mai und ich nach dem dinner am Tisch sitzenblieben und weiterplauderten, noch lange, nachdem Heinz sich zurückgezogen hatte. Mai liebte gutes Essen - besonders Desserts - und Wein dazu. Sie kannte viele Gedichte und Lieder auswendig und gab gerne eine performance. In faszinierender Weise trug sie Lyrik wie die "Galgenlieder" von Christian Morgenstern vor.

Heinz und in der Folge auch ich haben Mai als "Orakel" bezeichnet, denn sie hatte guten Rat für jede Gelegenheit. Immer wieder haben mich ihre kurzen, brillanten Kommentare und ihre überraschend einfachen Lösungen beeindruckt.

Mit einer unglaublichen Gelassenheit meisterte sie unabänderliche oder schwierige Situationen des Lebens. Oft muss ich an ihr "so what" denken, das eine beliebte Antwort von ihr war.

Was bleibt sind die unentscheidbaren Fragen. Eine davon beantworte ich gerne: Mai und Heinz sind nun wieder zusammen - irgendwo im Universum. Und wie ich Dirk Baecker heute versichern konnte, laden Sie Niklas Luhmann öfter zum Tee ein und diskutieren den blinden Fleck und anderes.

Dank dir Mai für viele wunderbare Stunden und viele Einsichten in die Schönheit, Einfachheit und Leichtigkeit des Lebens.

Ich bin beeindruckt!

Monika

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Der Wunschring


Veröffentlichungsdatum: 7. September 2003


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